2. Kapitel

Trinität und christlicher Glaubensvollzug in Liturgie und Alltag

 

Im Lichte der göttlichen Dreipersönlichkeit und nur in ihrem Lichte enthüllt sich das Wesen der christlichen Existenz, Sinn und Tragweite unserer durch den Glauben und die Taufe bewirkten, im Zustande des Himmels vollendeten Christusverbundenheit können erst aufleuchten, wenn wir Christi innergöttliche Bedeutung im Glauben erfassen, das heißt vom Glauben an den dreipersönlichen Gott her. Das durch unsere Eingliederung in Christus begründete (Eph 1, 6) göttliche (übernatürliche) Leben (vgl. Christologie und Gnadenlehre) läßt sich in seiner Herrlichkeit und Tiefe

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nicht deuten, wenn es nicht als geheimnisvolles Eintreten in den dreipersönlichen göttlichen Lebensvollzug begriffen wird. Das innerste Geheimnis des Christseins, der christlichen Existenz, ist das Geheimnis unserer Teilnahme am Lebensaustausch der drei göttlichen Personen (Eph 2, 18).

Die Offenbarung des dreipersönlichen göttlichen Lebens bedeutet die Enthüllung des Reichtums Gottes; sie gewährt einen Blick in das göttliche Innenleben und ist daher der Erweis einer besonderen Liebe und eines besonderen Vertrauens Gottes zu den Menschen. Gänzlich verfehlt wäre die Anschauung, daß die Offenbarung der göttlichen Dreieinigkeit bloß eine Gelegenheit für die Bewährung eines Höchstmaßes von gläubiger Gesinnung böte. Da die Dreipersönlichkeit Gottes die den christlichen Glauben kennzeichnende und unterscheidende Wirklichkeit darstellt, würde es zu einer Verdünnung und Entstellung des Glaubens führen, wenn sie aus dem Glaubensleben oder aus der Heilsverkündigung ausgeschieden oder ihr ein zweitrangiger Platz angewiesen würde. Die Offenbarung von der Dreieinigkeit würde so zu einem toten Schatz von Glaubenswahrheiten, die man zur Kenntnis nimmt, besitzt und hütet wie ein altes, wertvolles, jedoch unbenutztes und unverwertbares Familienstück, dem man im religiösen Leben keinen Raum gewährt. Der Hinweis auf die Geheimnisschwere der göttlichen Dreipersönlichkeit vermag eine solche Zurückdrängung nicht zu rechtfertigen; denn er übersieht, daß Gott selbst in den Herzen der Getauften ein Licht entzündet, durch welches sie in das Mysterium Gottes hineinzuschauen und es zu erkennen und zu ergreifen vermögen (Eph 1, 18).

Wie sehr die christliche Existenz von der Wirklichkeit des dreipersönlichen Gotteslebens gestaltet und bloß

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im Glauben an diese vollzogen und verstanden werden kann, zeigen die gesamte Liturgie der Kirche (vor allem Taufe und Eucharistie) und die Weise, in welcher das dreipersonale Leben Gottes nach der Schrift und Väterlehre geoffenbart wird. Alles Opfern und Beten in der Kirche richtet sich durch Christus im Heiligen Geist an den Vater.

Nach der Schrift und Väterlehre gibt uns Gott sein dreipersönliches Leben nicht bloß zur Kenntnis, so daß man diese Kunde in den Kammern des Gedächtnisses gläubig aufbewahren könnte. Gott offenbart seine Dreipersönlichkeit so, daß er sich im Handeln am Menschen und mit dem Menschen als Dreipersönlicher erweist. Der Vater sendet seinen Sohn in die Welt, auf daß dieser sie von Sünde und Tod erlöse. Der Sohn kehrt zum Vater zurück und sendet mit ihm den Heiligen Geist, auf daß dieser uns in das Leben Gottes einführe. Die göttlichen Personen werden hier nicht in ihrem ruhenden Sein beschrieben, sondern in ihrem Heilswirken an uns bezeugt. Die Schrift berichtet, wie die göttlichen Personen aus ihrer Unzugänglichkeit heraustreten, auf uns zugehen und uns in ihr eigenes Leben hineinziehen. Ja, die Schrift erzählt nicht bloß hiervon. In ihrem Worte vollzieht sich vielmehr der wirkmächtige Anruf der drei göttlichen Personen an uns. Im Worte ergreift uns Christus, um uns im Helligen Geist zum Vater zu führen.

 

 

 

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