4. ABSCHNITT

 

2. Kapitel

Heilssinn der Sendungen

Zunächst und unmittelbar drückt sich in den Sendungen das Heilstun Gottes aus. Der Begriff der Sendung bezeugt uns ein dreigestuftes göttliches Heilshandeln: die Sendung von Gottes Beauftragten im AT, die Sendung des Sohnes, von der das NT Zeugnis gibt, die Sendung des Heiligen Geistes zur heilshaften Gegenwart in der Kirche. Zunächst wird in dem Begriffe eine funktionale »ökonomische« Trinität zum Ausdruck gebracht. In dieser funktionalen Trinität tritt je-

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doch die ontologische Differenzierung in das Licht. Man würde dem Sinne der Sendung nicht gerecht, wenn man die darin bezeugte funktionale Trinität nur verstünde als die drei Phasen, in denen sich der eine Gott geoffenbart hat (siehe Bd. I: Heilsgeschichte). Es ist zwar immer der eine Gott, welcher sich der Welt heilshaft zuwendet, aber er wendet sich ihr zu gemäß der inneren Differenz, welche in ihm selbst herrscht. Dabei stellt sich, um mehrfach Gesagtes wegen seiner Wichtigkeit immer wieder zu betonen, heraus, daß der im Alten Testament bezeugte eine Gott (Jahwe), welcher seinen Sohn und mit dem Sohn den Heiligen Geist sendet, im Lichte des Neuen Testamentes verstanden werden muß als der Vater, der einen Sohn hat und mit dem Sohne den Heiligen Geist schenkt. Was in den Sendungen geschieht, ist die Offenbarung der Differenzierung im absoluten Sein selbst. Das absolute Sein selbst ist infolge seiner Geistigkeit, welche wesenhaften und notwendigen Dialogcharakter hat, in sich selbst differenziert. Die Differenzierung, welche in den Sendungen zutage tritt, ist also nicht nur eine Differenzierung für uns, sondern eine Differenzierung im Sein selbst. Diese dem absoluten Sein selbst immanente Differenzierung wird in der göttlichen Offenbarung eine Differenzierung für uns. In der göttlichen Selbsterschließung vollzieht sich eine Bewegung Gottes durch den Sohn im Heiligen Geiste auf den Menschen zu.

In der Theologie des dritten und vierten Jahrhunderts werden diese drei als Hypostasen bzw. als Personen bezeichnet. Wenn man diese Termini verwendet, muß man allerdings gerade das fernhalten, was für ihren Sinn im geschaffenen Bereich charakteristisch ist, nämlich das je eigene Selbstbewußtsein und die Selbständigkeit gegenüber den Partnern. Würde man die

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Ausdrücke unbefangen in dem Sinne verstehen, in welchem wir sie in unserem Erfahrungsbereich verwenden, dann gäbe das Anlaß zu der Häresie der Dreigötterlehre. Diese Gefahr liegt in der seit Tertullian und Augustinus sowie seit den kappadozischen Vätern geläufig gewordenen Terminologie. Man muß daher in diesem Bereich in einer besonders dringlichen Weise den analogen Charakter unserer theologischen Aussage unterstreichen. Das heißt: Es ist das zur Analogie gehörende Moment der Unähnlichkeit in besonderem Maße zu betonen. Diese Kennzeichnung allein vermag allerdings nicht hinreichend vor der in der Verwendung des Wortes Person liegenden Gefahr zu schützen. Augustinus ist sich dessen bewußt, wenn er den Gebrauch nur als Sprachregelung erklärt, auf die man nicht verzichten könne, wenn man für die »Drei« überhaupt eine gemeinsame Benennung sucht.

 

 

 

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