4. Kapitel

Gottes Treue

 

Kräftig und mit Entrüstung lehnen die Väter die These des Eunomius ab, daß Gott unter dem Gesichts-

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punkt des ungewordenen Seins begriffen werden könne. Chrysostomus bezeichnet sie als Gottlosigkeit (»Über das Unbegreifliche«, PG 48, 711ff). »Was du begreifst, ist nicht Gott«, sagt Augustinus (Sermo 52, 6; 117, 3). Das Nichtwissen ist nicht das Nichtwissen eines Ungebildeten, sondern eines Gebildeten und Wissenden. Es ist eine docta ignorantia. Gott wird nach Augustinus mehr durch Nichtwissen als durch Wissen gewußt (De ordine, l, II, 16). Noch entschiedener spricht diesen Gedanken Nikolaus von Kues aus.

In entscheidender Weise läßt sich die Nähe Gottes durch ihre Verwirklichung in Jesus Christus erfahren. Ähnlich wie das Alte Testament gibt auch das Neue Testament als Grund für das Vertrauen zu dem trotz seiner Jenseitigkeit diesseitigen Gott, zu dem trotz seiner Ferne gegenwärtigen Gott seine Ewigkeit und Unwandelbarkeit, seine Treue und seine Liebe an. Nach Jak 1,17 gibt es bei Gott dem Vater, dem Richter, keinen Wechsel und keinen Schatten von Veränderlichkeit. Die unwandelbare Treue Gottes wird von Paulus eingehend im Römerbrief geschildert. Weil Gott ewig ist, weil er alle Zeiten überdauert, kann man in dem sterblichen und dem Verfall ausgesetzten Leben auf »ewiges« Leben hoffen. Das ewige Leben besteht in der Teilnahme an dem Leben Gottes. Dabei ist noch einmal zu bedenken, daß das »ewige« Leben Gottes nicht bloß die Rückwärtsverlängerung über den Beginn der Zeit hinaus und Vorwärtsverlängerung über das Ende der Zeiten hinaus, sondern die Fülle des Lebens und des Seins ist, jene Fülle, welche die Zeit aus sich heraus entlassen hat und trägt und dem zeitlichen Geschehen als tragender Grund immerfort gegenwärtig bleibt. In Jesus Christus sind alle diese Aussagen über Gott praktisch bestätigt worden. Zugleich aber ist der im Alten Testament bezeugte Gott in Christus in

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einer nicht mehr überbietbaren Weise den Menschen nahegekommen. Dies schließt in sich, daß das, was das Alte Testament von Gott bezeugte, im Neuen Testament in einer unbegreiflichen Weise überboten worden ist. Noch entscheidender ist jedoch, daß Gott durch seine Selbstsetzung in der menschlichen Geschichte als handelndes, geschichtliches Subjekt den Menschen zur Teilnahme an seiner eigenen Lebensfülle beruft.

 

 

 

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