2. Kapitel

 

Gottes Souveränität

 

Im Neuen Testament wird die Weltüberlegenheit Gottes, sein Herrschertum sowohl gegenüber der Natur als auch in der Geschichte, also seine Transzendenz, unterstrichen. Dies bedeutet: Gott ist trotz der Nähe, in welche er durch die Sendung seines Sohnes zu den Menschen gekommen ist, auch nach der Überzeugung des Neuen Testamentes der Ferne, der Unbegreifliche, der Andersartige. Es seien ein paar Texte angeführt. In der Johannes-Apokalypse (1,4. 7f) heißt es: »Gnade euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommen wird . . . Siehe, er kommt in den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und jene, die ihn durchstochen haben, und es werden seinetwegen weheklagen alle Geschlechter. Ja, Amen. Ich bin das A und 0, der Anfang und das Ende, so spricht der Herr, der da ist und der da war,

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und der da kommen wird, der Allherrscher.« Am Ende der Johannes-Offenbarung spricht Gott zu Johannes (22, 12f): »Siehe, ich komme bald und mein Lohn ist mit mir, einem jeden nach seinen Werken zu vergelten. Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.«

Erschüttert beugt sich der Apostel Paulus vor der unbegreiflichen, frei erwählenden oder verwerfenden Majestät Gottes (Röm 11, 33ff). Durch Gott, aus ihm und für ihn ist nach dem Apostel alles. Mit Gott kann der Mensch nicht rechten (Röm 9, 20-24). Souverän waltet der Wille Gottes in der Natur, in der Geschichte (1 Kor 12, 8; 15, 38; Apk 4, 11) und über der Heilsgeschichte. Er braucht keine Ratgeber. Gott ist auch im Neuen Testament der Heilige, dem der Mensch nur in Ehrfurcht zu nahen vermag. Der Heilig-Ruf des Jesaias (Jes 6, 3) klingt auf in dem ununterbrochenen Lobgesang der Thronhüter in der Johannes-Offenbarung (4, 8f). Dieser Vorgang spielt sich, wie der Verfasser in seiner Vision sieht, im »Himmel« ab, der selbst der Sphäre der Heiligkeit angehört. Allmacht und Ewigkeit sind Wesenszüge von Gottes Heiligkeit. Der Heilige wird das Blut der Märtyrer rächen. Wenn er jetzt noch schweigt und die Dinge ihren Weg gehen läßt, als wäre er nicht, so geschieht dies nur um die Zahl der auserwählten Zeugen voll werden zu lassen (Offb 6, 10). Maria flicht in ihrem Lobgesang auf Gottes Macht und Größe, auf seine Gerechtigkeit, seine Gerichte und auf seine ewige Treue (vgl. Ps 111, 9) das Glaubensbekenntnis ein: Heilig ist sein Name (Lk 1, 49).

 

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