4. ABSCHNITT

Die Unsichtbarkeit Gottes

1. Kapitel

Im Alten Bunde

Gott ist nirgends unmittelbar zu sehen. Auch wenn er sich in der Geschichte und in der Natur offenbart, läßt sich seine Anwesenheit nicht empirisch feststellen. Geschichte und Natur gewähren jedoch eine indirekte Erfahrung von seiner verborgenen dynamischen Gegenwärtigkeit. Die wichtigste Gotteserfahrung geschah im AT durch jene Ereignisse, in denen sich Israel als Volk konstituierte, und in deren Vorgeschichte. Gerade sie aber bezeugen, wie wenig sich Gott unmittelbar sehen und verstehen läßt. Auch sie sind vermittelnde Zeichen. Diese Tatsache wurde als eine unentrinnbare, schmerzliche Erfahrung empfunden. Sie schwächt sich in den alttestamentlichen Büchern aus der hellenistischen Zeit mehr und mehr zu einer theologischen Lehre ab. Die Dynamik der Gotteserfahrung gleitet unter dem Einfluß des hellenistischen Denkens in die Statik der Doktrin hinüber.

Auf dieser Basis entwickelte sich die negative Theologie, nach welcher wir von Gott leichter sagen können, was er nicht ist, als was er ist.

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