4. ABSCHNITT
Die »Sendung« als Schlüsselbegriff
1.Kapitel
Die Weisen der Sendung
Der Schlüsselbegriff für das Verständnis der neutestamentlichen Trinitätslehre ist, wie wohl zum ersten Male von Abbey ausgesprochen wurde, jener der Sendung (s. für den Ausdruck Sendung: Mt 15, 24; Lk 1, 43; 7, 3; 9,52;14,32; 19,14. 29. 32;20, 20; 22, 8; Joh 3, 17; 3, 34; 5, 36; 6,29. 57; 7,29; 8,22; 10, 36; 11, 42; 14, 16f; 14, 25f; 15, 26f; 16, 5-11; 17, 3. 8. 21. 23. 25; 20,21; Apg 3,20; 3,26; 10, 36; 1 Joh 4,9; 4.14; 1 Petr 1, 12). Was unter der Sendung genauer zu verstehen ist, soll später erklärt werden. Vorerst mag es genügen, den Begriff in einem allgemeinen Sinne zu verwenden. Das Wort »Sendung« ist eine Formel für die heilshafte Bewegung Gottes auf den Menschen zu und für seine Nähe bei den Menschen. Im Alten Testament sandte Gott die Propheten, etwa den Mose, und zwar durch sein Wort oder durch seine Weisheit oder durch seinen Geist.
Eine neue Weise der Sendung war es, als Gott seinen eigenen Sohn in die Welt und in die menschliche Geschichte hineinsandte. Im Sohne ist er selbst gegenwärtig. Durch diese Sendung wurde er handelndes Subjekt innerhalb der menschlichen Geschichte.
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Wenn alle Sendungen dem Dialog Gottes mit den Menschen dienen, so wurde durch die Sendung seines Sohnes eine analoge Bewegung zwischen Gott und Mensch nach der Art geschaffen, in welcher die Menschen selbst untereinander Dialoge führen. Diese Sendung zeigt eine enge Zusammengehörigkeit von Gott und dem von ihm gesandten Sohne, andererseits aber einen inneren Unterschied. Als der von Gott gesandte Sohn die Grenze zwischen dem transzendenten und dem immanenten Bereich der Wirklichkeit nach rückwärts hin wieder durchbrach, d. h. zum Vater »heimkehrte«, hat er gemeinsam mit dem Vater, mit »Gott«, den Heiligen Geist gesandt. Im Heiligen Geist ist Gott mit seinem verklärten Sohne innerhalb der menschlichen Geschichte zwischen der Auferweckung (Verklärung) und Wiederkunft Jesu Christi heilswirksam gegenwärtig.