7. Kapitel
Das paulinische Schrifttum
a) Überblick
Die ganze Theologie des Apostels Paulus hat trinitarische Struktur. Aber auch bei ihm handelt es sich nicht in erster Linie um eine trinitarische Lehre, sondern um die Proklamation einer durch Christus vermittelten trinitarischen Existenz. In dem Brief an die Epheser schreibt er: »Durch ihn, nämlich Christus, haben wir beide (Juden und Heiden) in einem Geiste Zutritt zum Vater« (Eph 2,18). Nur durch Christus werden wir mit Gott verbunden, diese Verbindung mit Gott geschieht aber im Heiligen Geist. Der Heilige Geist erscheint hier gewissermaßen als die Sphäre, in welcher der Weg des Menschen durch Christus zum Vater geht. Hier drückt sich die Struktur der christlichen Existenz aus. Paulus verkündet nicht eine Trinität für sich, sondern nur eine Trinität für uns. Dies bedeutet nicht, daß er nur eine funktionale Trinität kennt. So sehr die funktionale Trinität, d.h. das dreipersonale Heilswirken, im Vordergrunde seines Denkens steht, so ist die funktionale Trinität bei ihm doch die Ausdrucksgestalt der hintergründigen ontologischen Trinität.
Paulus bringt sehr viele trinitarische, vielmehr triadische Formeln, nicht jede weist in gleicher Weise auf eine ontologische Trinität hin. Man darf dies jedoch von einigen seiner Formeln annehmen. Die Vielzahl der trinitarischen Formeln verdeutlicht, daß Paulus in einer noch unvollkommenen, noch nicht zur letzten Klarheit entwickelten Sprachgestalt und Begrifflichkeit
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eine Wirklichkeit zum Ausdruck bringen will, die er selber erfährt und die er immer wieder erfahren hat, für welche aber noch nicht das für die letzte Kommunikationsmöglichkeit nötige Sprach- und Begriffsmaterial vorhanden ist. Deshalb sind die paulinischen Formeln oft von großer Mannigfaltigkeit und von schwebender Bedeutung. Sie lassen sich nicht leicht in ein geordnetes System bringen. Gerade dies zeigt, wie sehr es Paulus darauf ankommt, die Wirklichkeit, die er erfahren hat, immer wieder von neuem zu erklären und von neuem zu beschreiben. Es liegt ihm am Herzen, seine Zuhörer aufzufordern, aus der Wirklichkeit, die er proklamiert, das Leben zu gestalten.
Es sei auf folgende Stellen mit dem Dreiergedanken verwiesen: Röm 1, 1-7; 5,1-5; 8, 3f; 8, 11; 8,16f. 20-30; 14, 17f; 15, 16-19; 15, 30; 1 Kor 2, 6-16; 6, 11; 6, 15-20; 12, 3-11; 2 Kor 1, 21f; 3, 3-6. 10-17; 4, 13f; 5,5 - 8.12; Gal 3,1-5; 3, 11-14; 4,6; 5, 21 - 25; Eph 1, 3 - 13.17; 2, 22; 3, 5ff; 3, 14-17; 4, 4ff. 30. 32; 5, 18 - 20; Phil 3, 3; Kol 1, 6 - 8; 1 Thess 1, 6 - 8; 4, 2 - 8; 5, 18f; 2 Thess 2, 13f; Tit 3, 4 - 11; Hebr 2, 2ff; 6, 4ff; 9, 14; 10, 20 - 31. Von diesen triadischen Texten dürften die wichtigsten sein Röm 1,1-7; 1 Kor 12, 4-11; 2 Kor 13, 13; Gal 3. 1-5; Eph 1, 1-14.
b) Die Christusgestalt
Zunächst soll die paulinische Lehre von Christus dargestellt werden, soweit dies für unseren Zusammenhang erforderlich ist. Eine genauere Darstellung wird die Christologie in Bd. 4 bringen. Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes (2 Kor 4, 4; Kol 1, 15), der Abglanz seiner Herrlichkeit und die Ausprägung seiner Substanz (Hebr 1,3). Das Wort »Bild« bezeichnet nicht bloß die Spiegelung Gottes durch Chri-
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stus. Es ist in jenem Vorstellungsbereich, in dem Paulus das Wort verwendet, soviel wie die Ausstrahlung, das Sichtbarwerden einer unsichtbaren Wirklichkeit und hat an dieser Anteil. Ja, es ist die Wirklichkeit selbst, insofern sie in Erscheinung tritt. Das Bild ist ja auch der geliebte Sohn Gottes (Kol 1, 15). Er existierte, als die Welt noch nicht war, in der Seinsqualität Gottes (Phil 2, 6). Er ist daher Gott wie der Vater, wie Paulus im Römerbrief sagt (Röm 9, 15). Der Vater hat ihn, seinen Sohn, in die Welt gesandt (Gal 4,4), damit er uns von der Sünde loskaufe und uns die Gottessohnschaft bringe. In ihm hat uns also Gott wieder mit sich versöhnt und als Kinder angenommen (Eph 2,12-18; Röm 3, 23f; 5,10; 8,17.19; Gal 3, 26f). Durch den Glauben an Christus haben wir Frieden in Gott und in dem Herrn Jesus Christus (1 Thess 1,1; 2 Thess 2,1).
Der Christus, den wir im Glauben ergreifen, existiert durch den Geist, so daß er selbst geradezu »Geist« genannt wird. In seiner verklärten Existenzweise ist er wirksam als Haupt der Kirche (Eph 4, 11-16; Röm 12, 5; 1 Kor 10, 17; 12,13; Kol 2,19). Als solcher ist er für alle Quell des Lebens, wie der erste Adam Quell der Sünde und des Todes war (Röm 5, 12-21; 1 Kor 15, 22. 46-48). Durch die Eingliederung in die Gemeinschaft der Kirche wird der einzelne Mensch mit Christus verbunden und gewinnt Anteil an der Herrlichkeit Christi. Durch die Gemeinschaft mit Christus werden wir Söhne Gottes, da Christus der eigene Sohn Gottes des Vaters ist und sich daher seine Sohnschaft gewissermaßen über uns ausbreitet (Röm 8, 32; 15, 6; 2 Kor 1,3; 11.31; Eph 1,3; 2,10f; Kol 1.3). Wie wir Christus angehören, so gehört Christus Gott an (1 Kor 3, 22f; 11, 3). Die Unterordnung aller Gläubigen unter Christus und Christi unter Gott, so daß Gott alles in allem sein wird, wird ihre Vollendung erreichen mit der Wie-
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derkunft Christi und dem Weltgericht (1 Kor 15, 24-27). Christus ist auch das Haupt der ganzen Schöpfung (1 Kor 8, 6; Kol 2, 10). Von besonderer Bedeutung ist es, daß Paulus auf Christus jenes Wort anwendet, mit welchem die Septuaginta das alttestamentliche Jahwe übersetzt hat, nämlich das Wort Kyrios, Herr. Jesus ist der Herr (Röm 10, 9; 1 Kor 12, 2). Er ist als solcher auch der Richter (1 Kor 4, 4f; 5, 5; 2 Kor 1, 14; 1 Thess 5, 2; 2,19; 3, 13; 5, 23; 1 Tim 6,14). Er ist der Herr, dem alles zu eigen gehört (Röm 14, 7ff; 1, 1; 1 Kor 7, 22; Gal 1, 10; Eph 6, 6; Phil 1, 1; Kol 4, 12). Der verklärte Christus ist der lebendigmachende Geist (1 Kor 15, 45). Er besitzt den Geist nicht durch Teilnahme, sondern von Natur und Wesen her (2 Kor 3,17). Deshalb kann er das Leben, die Kraft, die Weisheit der Gläubigen sein (1 Kor 1, 24; Kol 1, 29; 3, 4; Phil 4, 13). Alle diese Aussagen bekommen eine besondere Tragweite dadurch, daß Paulus auch die menschliche Schwäche Jesu Christi sieht, wie sich in einem uralten, dem Kerne nach vorpaulinischen Hymnus zeigt (Phil 2, 5-11).
c) Der Geist nach Paulus
aa) Geist und Heil
Wir wenden uns der Geistlehre des Apostels Paulus zu. Das Wort Geist (Pneuma) wird von ihm in einer äußerst vielschichtigen Bedeutung verwendet. Es bildet einen Zentralbegriff in seinen Briefen. Es beherrscht und färbt sein ganzes Christuszeugnis. Wir brauchen uns hierbei nicht bei jenen Texten aufzuhalten, in denen Paulus von dem menschlichen Geiste spricht.
Paulus legt von der Wirksamkeit des der Kirche geschenkten Gottesgeistes Zeugnis ab (1 Kor 12). Er
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wirkt in der Gemeinschaft. Dieser gestaltet er das Leben Christi ein. Der einzelne wird des Heiligen Geistes teilhaftig als Glied der Kirche. Keinem Gliede fehlt er. Der Geist ist eine wesentliche Gabe des Christus. Ohne ihn ist niemand ein Christus-Anhänger (Röm 8, 9; 1 Kor 6, 16ff). Leben in Christus und im Geiste ist ein und dasselbe (Röm 2,29; 15, 16; 8, 9-11; 1 Kor 1,2; 6, 11; 2 Kor 13. 13; Eph 1, 13; 3, 4; Gal 2, 17; Kol 2, 11; Phil 1, 27; 2, 1; 4, 1). Christus wirkt im Menschen durch den Geist. Christus ist das Lebensprinzip für die Getauften, insofern er in ihnen den Geist spendet (Eph 4,11-16). Der Geist wirkt im Leibe Christi die verschiedenen Gnadengaben. Alle Charismen, welche die christliche Erfahrung kennt, kommen von ihm (1 Kor 12, 8-13). Die Christen sind »geistlich» geworden (Gal 6, 1; 1 Kor 3, 1ff). Ihre seinshafte »Geistlichkeit« muß gesinnungsmäßig immer mehr verwirklicht werden in einem ständigen, langsam voranschreitenden Bemühen (Gal 5, 22ff; 2 Kor 5, 17; Gal 6,15; 1 Kor 4, 15). Die Mitteilung des Geistes zielt auf ein neues Leben, das frei ist von der Herrschaft des Fleisches und des Buchstabens, ein Leben in Christus und durch Christus. Dieses neue Leben ist geheimnisvoll und verborgen, faßbar nur im Glauben; bezeugt wird es freilich vom Heiligen Geist selbst (2 Kor 3, 1-3; vgl. 1 Kor 6, 9ff). Zeichen des neuen Lebens ist die neue Sittlichkeit (Röm 8, 6-11; 1 Kor 6, 9ff; 15, 9ff; Gal 1, 13-16; 5, 9-23; Eph 1, 17ff; 1 Tim 1, 12-16). Der Geist erleuchtet und stärkt den Christen. Er, der in ihm ist, bewegt ihn zu seinem Tun, so daß er, nicht mehr durch ein äußeres Gesetz getrieben, sich selbst Gesetz wird (1 Kor 2, 4. 10-16; 13, 7; 15, 43f; Röm 8, 14-27; 14, 17; Phil 4, 13; 2 Tim 4, 17; Gal 3. 5; 1 Thess 1, 5).
Der Geist ist also das von Christus geschenkte und zugleich die Gemeinschaft mit Christus wirkende Prin-
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zip des neuen, in Christus gründenden Lebens. Das Leben ist schon gegenwärtig. Aber es ist noch unvollkommen. Es streckt sich in Hoffnung der Vollendung entgegen. Der Geist wird sein Werk vollenden, indem er den toten Leib erweckt und wiederbelebt. In Christus ist dies Werk urbildhaft schon geschehen (Röm 6, 8. 22; 8, 6. 10. 22-24; 1 Kor 15, 43; 2 Kor 4, 10; 5, 4f; Gal 2, 20; 5, 24f; Kol 3, 4).
Es läßt sich sagen, daß der Geist in den Christen der Grund eines wahrhaft göttlichen Lebens ist, daß Christus der Erstgeborene unter vielen Brüdern ist, der den Geist ohne Maß besitzt, die Gaben des Geistes, die ihm in Fülle eigen sind, allen mitteilt, die durch Glaube und Taufe mit ihm verbunden werden. Ohne den von Christus mitgeteilten Geist gibt es nur Sünde und Schwäche. Der vom Geist erfüllte Mensch hingegen hängt dem Herrn so sehr an, daß er ein Geist mit ihm wird (Röm 7, 6; 8, 4ff; 1 Kor 6, 17; 2 Kor 12, 18; Gal 5, 16-25).
Die Texte, in denen das Wort »Geist« für Gott verwendet wird, bezeichnen sowohl Gott selbst als auch Gottes mitteilende, schenkende und verwandelnde Einwirkung auf den Menschen. Ähnlich wie die Apostelgeschichte, jedoch viel ausführlicher, schildert Paulus eine zweifache Wirksamkeit des Geistes, die ungewöhnliche, außerordentliche, welche sich in überraschenden Ausrufen und hinausgeschrieenen Lauten der vom Geiste Betroffenen äußert, sowie die alltägliche, vor allem in der gegenseitigen Liebe sich kundgebende Wirkung des Geistes in den Glaubenden und in den Getauften in spezifischer Weise bei den »Lehrern« und »Propheten«.
Was die erste Form des Geistwirkens angeht, so übt Paulus zwar Kritik an der Überschätzung solcher Geistesgaben. Er lehnt sie jedoch nicht völlig ab. Er gibt
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nur einen Maßstab an: Dieser ist die Auferbauung der Gemeinde bzw. der richtige Christusglaube. Wegen der Gefahr der Unordnung, die durch die enthusiastischen Geistesgaben in der Gemeinde hervorgerufen werden können, fordert Paulus die Korinther auf, nach den besseren Geistesgaben zu streben (1 Kor 12). Diese bestehen jedoch nicht nur in jenen Verhaltensweisen, welche den Alltag der Christen nach dem Bilde Christi formen, sondern auch in unerwarteten charismatischen Begabungen, aber eben in solchen Begabungen, welche sich von den enthusiastischen Aufschreien unterscheiden. Zu diesen Charismen gehört es z. B., wenn der Geist einen Christen in der Versammlung antreibt, auszurufen »Vater«.
In solchen Geistesgaben erschließt sich unmittelbar das Geheimnis der christlichen Existenz. Im Briefe an die Galater heißt es: »Ihr seid Söhne, es sandte ja Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, der da ruft: »Abba (Vater)« (Gal 4, 6). Ähnlich heißt es im Römerbrief (Röm 8, 15): »Ihr habt ja nicht den Geist der Knechtschaft empfangen, um euch von neuem zu fürchten, sondern den Geist der Sohnschaft, in dem wir rufen: Abba (Vater).« Man darf annehmen, daß in den Gemeindeversammlungen oder auch bei anderen Gelegenheiten Glaubende, wie von einer fremden Macht ergriffen, plötzlich ausriefen »Vater« und damit den sie erfüllenden Glauben wie in einem Inbegriff zum Ausdruck brachten. In diesem Ausruf des neuen Kernworts zur Bezeichnung Gottes und des Verhältnisses der Menschen zu ihm und zueinander erfährt der vom Geist Ergriffene eine unmittelbare Bestätigung seines eigenen Standes Gott gegenüber. Denn der Geist selbst bezeugt unserem Geiste, daß wir Söhne Gottes sind (Röm 8, 16; vgl. auch 8, 14). Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß sich bei der Bekehrung der Galater
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(Gal 5, 18) besondere Geisteswirkungen charismatischer Art eingestellt haben, welche den staunenden Anwesenden die Wahrheit des Evangeliums vom Heil allein durch den Glauben konkret nahe gebracht haben (Gal 3, 5). Im Heiligen Geist erfüllt und bewegt das göttliche Wort auch die Christusboten von ihrem Innersten her (1 Thess 1, 5; 1 Kor 2, 4; 12, 2). Der Geist ist das Fundament der völlig verwandelten Existenz. Er spielt eine entscheidende Rolle bei der Konstituierung der Gemeinde (2 Kor 3, 3; 1 Kor 3, 16; Gal 3, 14; 1 Kor 12, 4. 8. 9. 11). Der Wirksamkeit des Geistes im Getauften und im Glaubenden entspricht ein bestimmtes Verhalten. Im Verhalten wird sichtbar, daß der Glaubende und Getaufte wirklich das Pneuma besitzt (Gal 5, 19ff; Röm 14, 17; 1 Kor 13, 13; 1 Thess 1, 6).
Auch in dieser Dimension verbindet Paulus wie in allen seinen Glaubensaussagen den Imperativ mit dem Indikativ. Die Christen haben den Geist empfangen. Sie sollen auch aus dem Geiste leben. Sie sollen verwirklichen, was ihnen geschenkt ist (Gal 5,18; 2 Thess 2, 13-17; 1 Kor 3, 16. 17; 6, 18ff). Insbesondere ist die Teilnahme am Leiden Jesu Christi der stärkste konkrete Beweis dafür, daß ein Mensch Glied des Leibes Christi und daher von den Auferstehungskräften dieses Leibes, also vom vergeistigten Christus durchdrungen ist. Der Besitz des Geistes bedeutet für Paulus das Heil. Dieses Heil ist jedoch erst ein vorläufiges. Der Geist ist das »Angeld«, die »Anzahlung« des Heiles (2 Kor 1, 22; Gal 5, 5; Röm 8, 23). Er ist der Garant des vollen Heiles in der Zukunft. Der Geistbesitz hat daher eschatologische Bedeutung.
bb) Gott, Geist und Christus
Wenn wir nach dem Verhältnis des Geistes zu Gott fragen, so ergeben sich zwei Antworten: Der Geist ist
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der Geist Gottes. Er gehört in das Wesen Gottes hinein und wird von Gott in die Welt gesandt, um sich den Glaubenden und Getauften mitzuteilen und dadurch ihre Existenz völlig neu zu bestimmen (1 Kor 2, 10ff). Durch den Geist ist die Liebe Gottes ausgegossen in den Herzen der Menschen (Röm 5, 5). Der gleiche Geist wird jedoch Geist Jesu Christi genannt (Phil 1, 19). Noch in vielen Texten dieser Formulierungen drückt sich im paulinischen Schrifttum der Austausch von Geist und Geist Christi aus. Es seien genannt die Formeln »Geist des Herrn« (2 Kor 3, 17) oder »Geist seines Sohnes« (Gal 4, 6). Im Römerbrief (8, 9-11) wechselt er ab zwischen den Ausdrücken »Geist Gottes« (1 Kor 2. 14; 3, 16; 6, 11; 7, 40; 12, 3; 2 Kor 3, 3; Eph 3, 16; Phil 3, 3), »Geist Christi« und »Christus in euch«. Die Heilswirksamkeit Christi und des Geistes zugleich stellt sich in dem paulinischen Schrifttum dar etwa in den Formulierungen, die Getauften seien »in Christus Jesus« (1 Kor 1, 30; 2 Kor 5, 17), aber auch »im Geiste« (Röm 8, 9). In den Getauften »wohnt« Christus (Röm 8, 10; 2 Kor 13, 5; Gal 2, 20), aber auch der Geist (Röm 8, 91. Die »Liebe Gottes«, welche zugleich die »Liebe Christi« ist (Röm 5, 8; 8,35.39), ist in unsere Herzen durch den Heiligen Geist ausgegossen (Röm 5, 5). Die Verbindung mit Jesus Christus vollzieht sich in jenem Element, welches Paulus den Geist heißt. Der Geist, der in den ekstatischen »Abba«-Rufen (vermutlich im Gemeindegottesdienst) vernehmbar und erkennbar wird, ist der von Gott gesandte Geist, aber er ist zugleich das Pneuma des Sohnes Gottes. Zum Verständnis der Vorstellungsweise des Apostels ist es gut, sich klarzumachen, daß er Christus, insoweit dieser Inhalt des Heilsglaubens ist, immer schon als »Geist«, als »Pneuma«, kennengelernt hat, nicht als einen auf dieser Erde wandelnden Men-
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schen. Dies ist die neue Existenzweise, in welche der dem Fleische nach aus Davids Samen stammende Gottessohn seit der Auferweckung von den Toten eingegangen ist (Röm 1, 3. 4). Er ist seit der Auferstehung vom Geiste völlig durchdrungen. Der Überschritt Jesu Christi in die Transzendenz Gottes macht es überhaupt erst möglich, daß Jesus sich so den einzelnen und der Gemeinschaft mitteilt, wie es von Paulus beschrieben wird. »Ihr aber seid nicht im Fleische, sondern im Geiste, wenn Gottes Geist in euch wohnt. Wenn einer aber Christi Geist nicht hat, dann gehört er ihm nicht an. Wenn aber Christus in euch wohnt, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber am Leben um der Gerechtigkeit willen. Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten erweckt hat, in euch wohnt, so wird der, welcher Christus von den Toten erweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen in euch wohnenden Geist« (Röm 8, 9ff). Der von Christus gesandte Geist hat die entscheidende Befreiung gebracht. Es ist die neue Heilsordnung, welche durch den Geist bestimmt wird, weil der Geist in den Lebensbereich Jesu Christi hineinführt.
cc) Personalität des Geistes?
Wenn wir weiter fragen, ob der Geist eine unpersönliche Kraft Gottes, ob er also im Grunde genommen Gott selbst ist, oder ob er ein handelndes Subjekt darstellt, so könnte man darauf aufmerksam machen, daß nach dem Zeugnis des Apostels der Geist in den Menschen wohnt (Röm 8, 9ff; 1 Kor 3, 16; 2 Tim 1, 14), so wie Christus selbst in uns wohnt (Röm 8,10. 16; 2 Kor 3, 15; Eph 3, 17), daß die Glaubenden ein Tempel des Heiligen Geistes sind, so wie sie ein Tempel Gottes sind, daß sie gerechtfertigt sind im Geiste (1 Kor 6,11)
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und in Christus (Eph 1, 13), geheiligt im Geiste (Eph 2, 22) und im Herrn (Eph 2, 11), daß der Geist in dem Menschen seufzt, daß er wie Christus für den Menschen eintritt (Röm 8, 27-34), daß er von Gott in die Herzen der Menschen gesandt wird, so wie der Sohn gesandt wird (Röm 8, 9ff; 8, 26f; Gal 4, 4ff; 1 Kor 6, 19; 3,16). Er teilt die Gaben aus, wie er will (1 Kor 12, 4-11).
So deutlich diese Stellen zu sein scheinen, so werden sie in ihrer Aussagekraft doch wiederum gemindert dadurch, daß bei Paulus auch sonst manche Personifikationen vorkommen. So ist auch die Sündenmacht eine Realität, welche im Menschen wohnt, welche das Sinnen und Trachten und Denken des Menschen bestimmt. Auch die Sünde hat im Tod königlich geherrscht. Auch der Tod selbst hat über den Menschen eine Tyrannei ausgeübt, wenngleich er jetzt nicht mehr Herr über den Menschen ist.
Die Formulierungen des Apostels nötigen zu der Frage, ob nach Paulus nicht der Geist identifiziert wird mit dem verklärten Christus, so daß wir bei ihm keine trinitarische, sondern nur eine binarische Gottesauffassung hätten. In der Tat wird von dem verklärten Jesus selbst gesagt, daß er Geist geworden ist. Die Korinther haben offenbar besondere Geisteserfahrungen gemacht. Sie fragen sich nach dem Geheimnis der von ihnen gemachten Erfahrungen. Paulus gibt ihnen die Antwort: »Der Herr aber ist der Geist« (2 Kor 3, 17). Christus hat in der Tat in der Auferweckung eine geisthafte, eine pneumatische Existenzweise gewonnen. Jesus ist der »letzte Adam«, der zum lebendigmachenden Geist wurde (1 Kor 15, 45). Es ist jedoch sicher, daß nach der Meinung des Apostels Paulus eine strenge Identifikation nicht in dem Sinne vorliegt, daß der Herr in jeder Hinsicht nichts anderes ist als der Geist,
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und umgekehrt. Paulus unterscheidet sehr häufig und sehr deutlich zwischen Christus und dem Geiste.
Paulus wendet sich mit Nachdruck gegen die in Korinth umgehenden Geisterfahrungen, da sie offensichtlich gnostischen Einschlag haben und daher von der Art sind, wie wir sie zu allen Zeiten in manchen kirchlichen Kreisen bis zum heutigen Tag antreffen. Er lehnt jedoch die Geisteserfahrung nicht überhaupt ab. Sie muß jedoch an dem gekreuzigten und auferstandenen Christus orientiert sein. In Hinsicht auf diesen Bezug erklärt Paulus ohne Umschweif und ohne nähere Unterscheidungen, daß der von den Christen erfahrene Geist niemand anderer ist als der Herr selbst (2 Kor 3, 17). Dabei muß man jedoch beachten, daß in der paulinischen Theologie Christus und Geist nicht einfachhin gleich gesetzt werden.
Dem Geiste werden nämlich Funktionen zugeschrieben, die Christus nicht zukommen, ebenso wie Christus Heilsaufgaben vollzieht, die der Geist nicht vollzieht. Beide, Christus und der Geist, sind für die christliche Existenz untrennbar und von entscheidender Bedeutung. Schierse stellte eine Reihe der in Betracht kommenden Formeln zusammen (Mysterium salutis II, 1967, 117-120). So wirkt z.B. Christus durch den Heiligen Geist, nicht aber dieser durch Christus. Christus soll in den Glaubenden Gestalt annehmen. Vom Heiligen Geist wird dies nicht behauptet. Auf der anderen Seite heißt es vom Geiste, daß er das »Angeld« ist (2 Kor 1, 22; 5, 5) oder die »Erstlingsgabe« (Röm 8, 23). Er ist der »Geist der Wahrheit«, indem er die Wirklichkeit Christi interpretiert. Er schenkt die Gewißheit der Auferstehung und des ewigen Lebens. Wenn wir nicht wissen, wie wir beten sollen, ruft der Geist in uns zu Gott (Röm 8, 11). Vgl. auch meine »Katholische Dogmatik l«, 6.Aufl. 1960, 404 ff.
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So ist zwar (um den Sachverhalt noch einmal zu verdeutlichen) nicht zu bezweifeln, daß das paulini-sche Denken von der Überzeugung beherrscht ist, daß Christus durch die Auferstehung der Herr geworden ist und daß er in 2 Kor 3, 17 mit dem Geiste identifiziert wird, insofern dieser die Kraft ist, in der er wirkt. Es fragt sich, ob der Geistbegriff des Apostels Paulus nicht in manchen Texten deutlich über einen bloßen Funktionsbegriff hinausgeht, ohne daß dieser dadurch ausgeschaltet wird. Man kann zunächst an den schon erwähnten Text 1 Kor 12 denken. In diesem Kapitel gibt Paulus den Korinthern Maßstäbe für die Beurteilung der bei ihnen zutage getretenen Geistesgaben. Der Geist ist der Gemeinde als solcher gegeben, in 1 Kor 12 wirkt er sich aber an einzelnen Gemeindemitgliedern besonders mächtig aus, und zwar jeweils in spezifisch verschiedenen Funktionen. Das Ziel ist jedoch immer das gleiche. Alle Geistesgaben dienen nämlich der Auferbauung der Gemeinde in dem alle Gemeindeglieder zur Einheit zusammenschließenden Bekenntnis: »Jesus ist der Herr.«
Paulus unterscheidet an dieser Stelle Charismata, Dienstleistungen und Tätigkeiten auf der einen Seite, Geist, Herr und Gott auf der anderen. Was die von dem Apostel genannte Dreiheit »Geist«, »Herr« und »Gott« betrifft, so umfaßt offensichtlich das jeweils folgende Glied das vorausgehende. In das Wirken Gottes ist das Wirken des Herrn, in das Wirken des Herrn ist das Wirken des Geistes aufgenommen. Der nächstliegende Sinn dürfte sein: Wie der Kyrios ein offensichtlich personhaft zu verstehendes Wirkprinzip ist, so ist der Geist kein personhaftes, aber, wie man sagen könnte, persönliches Wirkprinzip.
Nach dieser Erklärung ist der Geist nicht einfachhin mit Christus identisch. Er ist kein bloßer Funktionsbe-
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griff, sondern ein von Christus verschiedenes Tätigkeitssubjekt. Hierbei muß man sich allerdings hüten, den später ausgearbeiteten Personbegriff auf das vom Apostel Paulus mit dem Worte Geist benannte Tätigkeitssubjekt ohne Einschränkung anzuwenden. Die Unterscheidung zwischen Christus und dem Geiste gefährdet keineswegs die beherrschende Stellung, welche nach Paulus der erhöhte Herr in der Kirche einnimmt, so wenig wie die Unterscheidung zwischen Gott und dem Herrn die alles überragende Rolle Gottes gefährdet. So wenig der Herr ausgeschaltet zu werden braucht, damit die Souveränität Gottes hervortritt, ebenso wenig muß der Geist als Tätigkeitssubjekt ausgeschaltet oder herabgedrückt werden, damit die aktive Bedeutung Christi gebührend ins Licht tritt. Gott, Christus und Pneuma sind trotz ihrer Eigentümlichkeit als Tatigkeitssubjekte nicht mechanisch nebeneinander zu denken, sie sind vielmehr so eng verbunden, daß man sagen kann: Gott handelt durch Christus, Christus handelt durch den Geist. Dieser bildet die Kraft, durch welche Christus in der Kirche wirkt und gegenwärtig ist, auch dann, wenn er personhaft gedacht wird.
Einer solchen Interpretation steht nicht die Tatsache im Wege, daß Vers 11-14 Christus und der Geist sehr stark zusammengeschaut werden. Die Stelle lautet: »Alles das wirkt ein und derselbe Geist, der jedem das Seine zuteilt, wie er will. Denn wie der Leib einer ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes, obschon ihrer viele sind, einen Leib bilden, so auch Christus. Denn wir alle sind in einem Geiste, daß ein Leib werde, getauft worden, Juden wie Griechen, Sklaven wie Freie. Und wir alle sind mit einem Geiste getränkt worden. Besteht doch auch der Leib nicht aus einem Glied, sondern aus vielen.« Wenn man diesen Text ge-
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nau betrachtet, so wird der Heilige Geist als das Wirkprinzip der Einheit, Christus aber als das Ergebnis der dem Geiste zugeschriebenen Einheitsfunktion gesehen. Christus wird hierbei mit dem menschlichen Leib verglichen. Man kann nicht, um der Schwierigkeit dieses Vergleiches zu entgehen, die vom Apostel Paulus deutlich unterschiedene Funktion des Geistes mit der Rolle Christi identifizieren.
Ähnlich spricht der Apostel im 6. Kapitel des 1. Kor-Briefes. Er warnt hier die Korinther vor den heidnischen Lastern und fügt hinzu: »Ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerechtfertigt durch den Namen unseres Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes« (1 Kor 6, 11). Das gleiche dürfte vom Vers 19 des 6. Kapitels gelten. Paulus begründet seinen Appell gegen die Unzucht mit ihrer Zugehörigkeit zum Herrn. Weil sie dem Herrn gehören, können sie sich nicht einer Dirne hingeben. Er sagt: »Oder wißt ihr nicht, daß der, der sich mit der Dirne verbindet, ein Leib mit ihr ist? Es werden nämlich, heißt es, die zwei zu einem Fleische. Wer sich aber mit dem Herrn verbindet, ist ein Geist mit ihm. Fliehet die Unzucht. Jede Sünde, die der Mensch tun kann, ist außerhalb des Leibes; wer aber Unzucht treibt, sündigt wider den eigenen Leib. Oder wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott empfangen habt, und daß ihr nicht mehr euch selber gehört. Ihr seid um einen hohen Preis erkauft, verherrlicht also auch Gott mit eurem Leib.« An dieser Stelle wird das Wort »Geist« offensichtlich im analogen Sinne gebraucht. Das eine Mal wird der Geist als Wirkprinzip verstanden, welches vom Menschen als von seinem Tempel Besitz ergreift, um ihn Christus zu überantworten. Das andere Mal wird die Art der Gemeinschaft bezeichnet, welche in
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der Dimension des Glaubens zwischen Christus und den Christen nach 2 Kor 17, 17 durch das Wirken des Geistes hergestellt wird. Der Bildbegriff des Tempels wird auch in 1 Kor 3, 16 verwendet.
Es sei auf Röm 5, 1-5 verwiesen: »Gerecht gesprochen also auf Grund von Glauben wollen wir Frieden halten mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir auch den Zugang zu dieser Gnade erhalten haben, in der wir stehen, und wir wollen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes rühmen, wissend, daß die Drangsal Geduld wirkt, die Geduld aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung; die Hoffnung aber täuscht nicht, weil die Liebe Gottes ausgegossen ist in unseren Herzen durch den uns gegebenen Heiligen Geist.« Der Heilige Geist wird hier als der von Gott geschenkte Mittler dessen beschrieben, daß die Gewißheit von Gottes Liebe zu uns in unseren Herzen lebendig ist. Die Gewißheit, daß Gott uns liebt, entspringt nicht menschlicher Einsicht, sondern der Initiative Gottes. Indem uns Gott den Heiligen Geist gab, gewährt er uns eine Überfülle von Sicherheit (vgl. 0. Kuss, Der Römerbrief, Regensburg 1957, 206). Nach Röm 15, 30f und Eph 1, 13-15, 30f sind diejenigen, welche das Wort der Wahrheit gehört haben und in ihm gläubig geworden sind, durch den verheißenen Heiligen Geist versiegelt worden, der das Angeld unseres Erbes ist für die Erlösung, die uns ihm zu eigen macht.
Vielleicht darf man sagen, daß Paulus gelegentlich eine dynamische Identifikation vornimmt, insofern der verklärte Christus im Geiste tätig ist. Auch wenn man den Vater, Christus und Geist unterscheidet, so führt das nicht zu drei selbständig nebeneinander handelnden Tätigkeitssubjekten. Denn es handelt der Vater jeweils durch Christus in dem Heiligen Geiste. Man muß
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jedoch betonen, daß wir von Paulus keine begrifflich entwickelte Trinitätslehre besitzen, wie sie uns durch das spätere Konzil von Nizäa geboten wird.
Am nächsten kommen der später entfalteten Lehre die Stellen 1 Kor 12, 4-11 und 2 Kor 13, 13. In dem ersten Text werden Geist, Herr und Gott genannt. Es gibt Verschiedenheiten in der Gnadengabe. Doch es ist derselbe Geist. Es gibt Verschiedenheiten in den Dienstleistungen, und es ist doch derselbe Herr, und es gibt Verschiedenheiten unter den wirkenden Kräften. Doch ist es derselbe Gott, der alles in allem wirkt. Die Aufzählung der verschiedenen Gnadengaben schließt folgendermaßen: »Alles dies aber wirkte ein und derselbe Geist, der einem jeden zuteilt, wie er will.«
Die zweite Stelle lautet: »Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.« Nach ihr werden Jesus Christus, Gott und der Heilige Geist miteinander genannt. Daß Gott und Herr zwei sind, läßt sich nicht bestreiten. Ihnen ist das dritte Glied gleichwertig angefügt. Es bezeugt einen Anteil am Heiligen Geiste. Es ist also vom Geiste der Genitivus objectivus verwendet, während von Gott und vom Herrn der Genitivus subjectivus gebraucht ist. Dieser Unterschied berechtigt jedoch nicht zu der Meinung, daß in den beiden ersten Fällen von zwei Personen im Sinne der späteren Kirchenlehre, im dritten Glied aber nur von einer apersonalen Wirklichkeit die Rede ist. Die Teilnahme am Leben des Heiligen Geistes stellt den Zusammenhang des Christusgläubigen mit dem erhöhten Herrn und mit Gott dem Vater her. Es wird also in dieser paulinischen Formel nicht nur eine Dreiheit, sondern das innige Miteinander dieser Drei bezeugt. Sie stehen in so enger Beziehung, daß keine
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bloß neben der anderen tätig ist. Man darf auch auf Röm 5, 1-5 sowie auf Röm 15, 30f und auf Eph 1, 13ff verweisen. Alle diese Texte sind Ansatzpunkte für weitere Entwicklungen und bleiben für diese offen.
dd) Abschießende Charakterisierung
Abschließend läßt sich sagen: die bunte Fülle charismatischer Geistesäußerungen war es, welche das mächtige Empfinden des gänzlich Neuen, des Unerwarteten, des Überwältigenden, des Umstürzenden erzeugten und wachhielten. Hierfür gibt es in den paulinischen Briefen kein besonderes Schema. Die gelegentlichen Warnungen des Apostels an die vom Pneuma Ergriffenen wollen das allenthalben aufblühende geistige Leben nicht schädigen und vernichten, sondern ihm innerhalb der individuellen und der kirchlichen Existenz den rechten Platz verschaffen und Fehlformen ausschließen. Ja, Paulus betont mitten in seinen Warnungen mit Nachdruck: »Löscht den Geist nicht aus« (1 Thess 5, 19). Denn dies würde geradezu bedeuten, daß die Gemeinde Christus ferne rückt. Es gibt keine feste und ausschließliche Art der Geistmitteilung. Der Geist waltet vielmehr frei und ungebunden. Es wäre eine unberechtigte Reduzierung der paulinischen Geistlehre, wenn man das Geisteswirken nur in den ungewöhnlichen Phänomenen sähe. Der Geist wirkt vielmehr im Alltag der Kirche. Für die Aufgaben, die sich fortlaufend und mannigfaltig in den Gemeinden stellen, läßt er aus der Mitte der Gemeinden, welche der Autorität des Apostels verpflichtet bleiben, die jeweils notwendigen Kräfte erstehen.
Das Wunder des Geistes, das sich so überall zeigte, stärkte das Glaubensbewußtsein und die Glaubensfreude, die von so vielen Seiten bedroht waren, und die Sicherheit der Glaubenden. Paulus steht mit seinen
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Gemeinden in einer Tradition, die im Alten Testament eine feste Voraussetzung hat und die sich schon in der vorpaulinischen Gemeinde (vgl. etwa den Pfingstbericht in der Apostelgeschichte) vorfanden. Paulus sieht, daß das im Alten Testament Verheißene Wirklichkeit geworden ist. Er begreift den Geist als die charakteristische Heilskraft der Zwischenzeit von Auferstehung und Wiederkunft Jesu Christi. Das Heil ist nach ihm so da, daß der Geist da ist. Der Geist beherrscht den ganzen Raum zwischen Gott und Mensch. Er verwandelt den Menschen zu etwas Neuem, zu etwas Göttlichem.
Von den besonders auffälligen Geistesgaben, welche allen sichtbar sind, findet und öffnet Paulus den Zugang zu der Erkenntnis jener Geistesgaben, welche das Leben der Gemeinschaft tragen und gestalten, und jener vor allem wichtigen und dauernden Gaben, die das sittliche Leben der Gemeinden bestimmen und formen, insbesondere der Gabe der Liebe.
d) Die kirchliche Lehre als Explikation der Schrift
Die Kirche hat durch ihre Lehrentscheidungen keine fremden Elemente in die paulinische Geistlehre hineingetragen, sondern expliziert, was Paulus in vorbegrifflicher Weise ausdrückt. Ihm kam es nicht auf scharfe Begrifflichkeit an, sondern auf die Proklamation der letztlich nicht in Begriffen darstellbaren Wirklichkeit, welche durch Jesus Christus vermittelt worden ist (0. Kuss, Der Geist, in: Der Römerbrief, Regensburg 1959, 540-595). Im paulinischen Schrifttum finden wir noch keine strenge formale Trinitätslehre. Überall dringt jedoch ein trinitarisches Grundbewußtsein durch. Es tritt indes in freier Gestaltung hervor. Die monotheistische Grundvorstellung des Apostels wird
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nicht preisgegeben, insofern der Vater durch seinen Sohn im Geiste wirkt. Das Verhältnis ist jedoch nicht spekulativ durchdacht.