6. ABSCHNITT

 

Das Zeugnis der Schrift

 

 

1.Kapitel

Das Alte Testament im allgemeinen

Weil das Alte Testament eine Vorbereitung auf Christus, ein Schatten des Zukünftigen ist (1 Kor 10, 11; Gal 3, 24; 1 Petr 1, 10), wird man ein Zweifaches beachten können: Einerseits, daß es Hinweise auf eine Mehrpersonalität in Gott hat, aber nicht deren klare Enthüllung bringt, daß aber auch die Hinweise selbst von den alttestamentlichen Gläubigen nicht als solche verstanden werden konnten, daß sie vielmehr erst im Lichte des Neuen Testamentes als Anbahnungen der Erschließung der göttlichen Dreipersönlichkeit interpretiert zu werden vermögen.

Durch das ganze Alte Testament zieht sich der Grundgedanke hindurch, daß Gott das absolute Geheimnis ist, das niemand sehen kann, ohne zu sterben, daß aber trotzdem Gott selbst sich den Vätern geoffenbart und mit ihnen in geschichtlichem Handeln verkehrt hat. Diese Selbstdarbietung Gottes ist vermittelt durch Engel (Näheres in Band 3), durch das Wort, durch den Geist, durch die Weisheit. Aber Wort, Weisheit, Geist sind jeweils Gott selbst als heilsmächtig Handelnder. Wo Geist und Weisheit nicht mehr walten, ist Gott nach der Interpretation der Propheten von seinem Volke gewichen. Wenn er dennoch dem

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Volke wieder sein Erbarmen zuwendet, dann schickt er von neuem einen Propheten in der Fülle des Geistes, welcher sein Wort auszurichten hat. Die Propheten verheißen immer wieder eine zukünftige heilshafte Gegenwart Gottes in seinem Volke, welche die bisherigen Gegenwartsweisen Gottes überbieten wird. Die Art dieser Gegenwartsweise bleibt jedoch verborgen.

 

 

 

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