8. ABSCHNITT
Das Geheimnis Gottes in seinen Eigenschaften
1. Kapitel
Das Geheimnis Gottes in Christus im AT und im NT
Wenn auch in den vorausliegenden Abschnitten im großen und ganzen nur von dem alttestamentlichen Gottesbilde als der Voraussetzung für das Christusverständnis gehandelt worden ist, so ist darauf hinzuweisen, daß das neutestamentliche Gottesbild nicht nur nicht im Widerspruch steht zum alttestamentlichen, sondern dieses bestätigt und weiterentwickelt. Dies gilt insbesondere von der schöpferischen Liebe, in welcher Gott seinen Heilsplan durch die Sendung seines Sohnes in einer unüberholbaren Kraft und in universaler Reichweite weiterführt und sichert, so daß die absolute Zukunft nicht mehr bloß durch seinen, von ihm der Schöpfung eingestifteten Treuewillen und seine überlegene Heilsmacht, sondern auch durch die Offenheit und Bereitschaft gewährleistet ist.
Da später in der Analyse des Heilshandelns und der Heilsrede Jesu Christi eingehend nur noch von jenen Elementen gesprochen werden soll, welche über das Alte Testament wesentlich hinausführen, wird hier in einigen Strichen zunächst gezeigt, wie die alttestamentliche Gottesoffenbarung durch das Neue Testament bestätigt wird. Jesus hat das Frühere vorausgesetzt und in seinem eigentlichen und wahren Sinne mit
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Vollmacht interpretiert. Die Zuhörer Jesu kannten die bisherige göttliche Selbsterschließung, so daß er in seiner Predigt damit rechnen konnte. Er hat das alttestamentliche Gottesbild von manchen Übermalungen und Entstellungen, welchen es im Laufe der Zeit durch eine veräußerlichte und kasuistische theologische Auslegung und Praxis ausgesetzt war, befreit und in seiner alten und ursprünglichen Schönheit und Lebendigkeit aufgedeckt, vor allem in der Bergpredigt und dem ständigen Kampfe gegen die Veräußerlichung.