3. Kapitel
Andere Gottesnamen
Außer dem Namen Jahwe, dem wichtigsten von allen Gottesnamen, kommen noch vor die Bezeichnungen El, Elohim, Adonai, Schaddai, Kadosch.
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In dem Worte Elohim drückt sich sowohl die Einzigkeit und die Einzigartigkeit Gottes wie auch die Fülle seines Gottseins aus. Man kann das Wort Jahwe als Eigenname Gottes bezeichnen, das Wort Elohim hingegen als Gattungsnamen. Seine plurale Verwendung bringt zum Ausdruck, daß alles, was göttlich ist, sich auf Jahwe vereinigt. Das Wort dient demgemäß dem Huldigungsbedürfnis. In ihm drückt sich im Unterschied zum Wort Jahwe, das die Nähe Gottes verkündet, die Erhabenheit und das ihr entsprechende Erschauern vor Gottes überragender Größe aus. Auch der Singular El will die Macht Gottes hervorheben. Ähnliches gilt von dem häufig verwandten Namen Adonai: Er besagt das Moment der Herrschaft. Gott ist der höchste Herr. Er ist der Kyrios. Diese Bezeichnung steht allerdings, wie wir in den paulinischen Schriften lesen, in Konkurrenz zu den heidnischen Göttern. Paulus sagt: Es gibt viele Herren, wir aber haben nur einen einzigen Herrn (Eph 4, 5).
Der Ausdruck Schaddai bezeichnet Gott als den Überlegenen, den Gewaltigen.
Gott wird weder im Alten noch im Neuen Testament (wie bei Plato) als das höchste Gut (Summum bonum), wie bei Aristoteles als das Selbstbewußtsein oder als der unbewegte Beweger, sondern als der geschichtsmächtige und geschichtswirkende Herr erfahren, wenngleich der Ausdruck der »Höchste« für ihn nicht völlig fehlt (vgl. etwa Mk 11, 10; Lk 2, 14; 6, 35; l, 76; 1.32; 1, 35; Apg 7,48 bis 50). Es spielt jedoch im NT keine besondere Rolle. Vielfach stoßen wir, wie schon angedeutet wurde, auf das Wort »Pantokrator«, das sich für heidnische Götter häufig findet. Es ist die Wiedergabe von Schaddai Zebaoth und ist vor allem in den Schriften der Propheten verwendet. Oft kommt der Ausdruck in der Johannes-Apokalypse vor
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(1, 8; 4, 8; 11, 17; 15, 3; 16, 7. 14; 19, 6. 15; 21, 22). Hier dient er vor allem als Ausdruck für die Herrschaft Gottes über die menschliche Geschichte. Gott ist ja der, der ist, der war und der kommen wird (1, 8; 4, 8; 11,18. Siehe K. H. Schelkle, Theologie des Neuen Testaments, 2: Gott war in Christus, 1973, 308).
Der Ausdruck »Summum bonum« für Gott wird in der mittelalterlichen Theologie nicht selten zur Ableitung der göttlichen Dreipersonalität verwendet, z. B. von Bonaventura. Das Geheimnis wird dabei vor allem im Inhalt, nicht im »Daß« der Dreifaltigkeit gesehen. Man darf jedoch nicht übersehen, daß das »Daß« nicht aus dem Nichts an theologischer Erkenntnis hervorkommt, sondern aus dem im betreffenden Denker schon wirksamen Glaubenswissen, allerdings ohne daß dieses in die Argumentation formell eingesetzt wird. Außerdem ist zu beachten, daß die Dreipersonalität Gottes schon vor der Auffindung rationaler Gründe im Glauben feststeht und erst vor seinem Horizont die rationale Begründung entwickelt wird.
Die Hauptbezeichnung Gottes als Jahwe, in welcher der Immanenzgedanke stärker betont ist als der Transzendenzgedanke, wird zur Ganzheit der Gottesvorstellung integriert durch die Bezeichnung Gottes als des Heiligen (Kadosch). Gott ist heilig, insofern er anders ist, ausgesondert, unnahbar.
Eine für die Geschichte des Christentums besonders folgenreiche Bezeichnung ist der Name »Vater«. Hierüber wird jedoch in der Darstellung der göttlichen Dreieinigkeit ausführlich gehandelt werden.
Die im Alten Testament gebrauchten Gottesnamen bezeichnen demgemäß Gott sowohl als den Nahen und Gegenwärtigen als auch als den Unnahbaren und Fernen. Als der Unnahbare wird Gott freilich weniger erfahren durch die Tiefe der metaphysischen Seinsver-
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schiedenheit, die ihn vom Geschöpfe trennt, als vielmehr in der Sündelosigkeit und im Gerichte, das Gott über sein eigenes Volk abhält, um es nach allen Treulosigkeiten immer wieder zur Treue, d. h. aber zur Gnade zurückzurufen.
Man darf sagen, daß im großen ganzen die vor der hellenistischen Zeit entstandenen biblischen Bücher mehr die göttliche Dynamik, die erst in dieser Periode geschriebenen jedoch mehr die einfache Gegenwärtigkeit Gottes mitteilen. Die Schrift drückt das Ineinander von Transzendenz und Immanenz mit dem Worte aus, daß Gott als »verborgener« Gott gegenwärtig ist (1 Kor 2, 7. 8. 10; Mt 11, 25; Jes 45, 15). Infolge seiner Unbegreiflichkeit ist der von Israel erfahrene Gott zugleich unheimlich und anziehend (tremendus und fascinosus). Dies soll noch in einem eigenen Abschnitt erklärt werden.
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