3.
Wesentliche Einzelmomente im Schöpfungsakt
a)
Erschaffung durch das Wort
Von
weittragendem Gewicht ist die Formulierung, dass Gott die Welt durch das
Sprechen, durch sein Wort erschaffen habe. Die These vom schöpferischen Wort
Gottes zieht sich durch das ganze Alte Testament hindurch (vgl. Ps
33. 6-9; 148, 5; Jdt 16, 14; Klgl 33,7-9; Sir 39, 17; 42, 15; Weish 9,
1ff; Dtn-Jes 41,4; 48, Am 13; 9, 6) und erreicht in der Menschwerdung des Logos
ihren Höhepunkt (Joh 1, 1ff).
Das
Wort, welches als Medium für die göttliche Schöpfertat erscheint, ist kein
Zauberwort, sondern ein machtvolles, geisterfülltes, frei gesprochenes Schöpfungswort.
In ihm drückt sich die volle Freiheit Gottes aus. Ferner tritt die dialogische
Relation zwischen Gott und Welt zutage. Gott wollte die Welt nicht schaffen,
damit sie einfach vorhanden sei, sondern damit er mit ihr ins Gespräch komme.
Dies hat natürlich nur einen Sinn, wenn man in der Erschaffung
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des Menschen den Kern des Schöpfungsberichtes sieht. Dies impliziert, dass eine Schöpfung ohne den Menschen ihren Sinn nicht realisieren würde, ja dass sie sinnlos und daher Gottes unwürdig wäre. Hier kündigt sich jene personale Ontologie an, durch welche sich das alttestamentliche Denken von dem griechischen Denken unterscheidet. Gott ist freie Person. Hierüber handelt dieses Werk in dem Bande über »Gott der Eine und der Dreieinige«.
Durch
die Betonung des die Schöpfung vermittelnden Wortes Gottes wird jede Emanation
aus Gott, mag sie geistig oder materiell vorgestellt werden, ausgeschlossen. Es
gibt ausser Gott und dem von ihm gesprochenen Wort keine schöpferische Kraft (Joh
1, 3. 10), welche die Welt hervorgebracht hat oder hätte hervorbringen können.
Wenn
im zweiten Vers des ersten Schöpfungsberichtes vom Chaos die Rede ist und der
Eindruck entstehen könnte, als ob Gott mit den Chaosmächten hätte ringen müssen,
so zeigt sich hierin ein Nachhall der mythologischen Vorstellungen der Vorzeit
oder der Umwelt. Vor allem aber soll das Wissen um die immerwährenden Gefahren
des Chaotischen hervortreten, welches durch die ordnende und gestaltende
Funktion des allherrschenden Schöpfers immer wieder gebändigt wird, damit das
einmal Geschaffene nicht durch den Einbruch der Unordnung wieder zerstört wird.
Die
Erschaffung durch das Wort lässt auch den wesenhaften Unterschied zwischen Gott
und der Weit hervortreten. Gott schafft die Welt in voller Leichtigkeit und nach
seinen eigenen Entschlüssen, für die er keinen Ratgeber hat und auch keinen
braucht (Weish 11,21).
Die
in der Einführung des schöpferischen Wortes sich offenbarende Freiheit Gottes
in seinem welt-
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schöpferischen Tun schliesst in sich, dass Gott auch das Geschöpf in Freiheit setzt. Dies gilt zwar nicht von jedem Einzelding, aber von der Schöpfung als Ganzem. Dies wird sichtbar in der Erschaffung des Menschen, auf den die beiden Schöpfungsberichte sowie die meisten Schöpfungstexte anderer Art hinzielen. Der Mensch ist der Repräsentant der Gesamtschöpfung. Hierüber soll sogleich noch Genaueres gesagt werden. Der Mensch ist dazu aufgerufen, dem Worte Gottes die Antwort der geschaffenen Welt zu geben, so dass es zu einem Gespräch kommt (siehe H. Kohlenberger, Similitudo und ratio. Überlegungen zur Methode bei Anselm von Canterbury, 1972).
Solche
Zusammenhänge bekunden, dass die kausale Interpretation des Verhältnisses von
Gott und Mensch zwar nicht falsch ist, aber etwas Entscheidendes auslässt, nämlich
das personale Verhältnis. Gott ist nicht tätig wie die letzte Ursache in einer
langen Kausalkette, er ist nicht wie das höchste Element in der Welt zu
verstehen. Er hat vielmehr in einem geistigen Akt, der Neues, bisher
Nichtbestehendes hervorbringt, einen von ihm als Partner bestimmten Gesprächsteilnehmer
aus dem Nichtsein in das Sein gerufen.
Unter
diesen Aspekten kann man von der Welt, indem man sich eines lateinischen
Ausdrucks bedient, sagen, dass sie kontingent, d.h. »zufällig«, nicht
notwendig, ja, dass auch die Zusammenhänge der Dinge unter sich den Charakter
der Kontingenz haben, ohne dabei in zusammenhanglosen Wirrwarr zu fallen. Denn
auch die der Welt und ihren Einzelgegenständen eigene Kontingenz folgt einem göttlichen
Plan und zeigt einen Sinnzusammenhang. (Weish 11 u. 12).
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