Vorwort

Auch der vorliegende Band, der das Thema »Gott als Schöpfer der Welt« behandelt, steht nach der Grundabsicht des ganzen Werkes in christologischer Perspektive. Dies entspricht auch jenen Texten, in welchen das Neue Testament das Schöpfungsproblem behandelt. Denn in ihnen wird mehrfach von der Erschaffung der Welt durch den präexistenten Logos bzw. den Sohn Gottes gesprochen. Ausserdem zielt nach dem Grundverständnis der Schöpfung, die uns im Alten Testament begegnet, das Zeugnis von der Erschaffung aller Dinge durch Gott auf den Retter der Welt, auf den Messias, also auf Jesus, welcher der Christus ist, und auf die Vollendung der von Gott hervorgebrachten Welt eben durch Jesus Christus: Gründe genug für die christologische Perspektive des vorliegenden Bandes.

Um die christologische Grundlegung besser zu verstehen, sei auf ein Glaubenselement hingewiesen, das schon öfters namhaft gemacht wurde, aber so sehr das vorliegende Werk beherrscht, dass immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden muss.

Die Menschwerdung des ewigen Logos ist der schöpferische Urgedanke und Urwille Gottes des Vaters. Um Jesu Christi willen ist jede andere geschaffene Wirklichkeit von Gott erdacht und verwirklicht worden. Sie ist gewissermassen als Stätte und Medium seines Lebens und Wirkens ersonnen und realisiert worden. (Es bleibt bei dieser These offen, ob die Erlösung von der Sünde in diesen Urgedanken und Urwillen Gottes schon als Grund der Menschwerdung einbezogen war.)

 

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Im geschichtlichen Ablauf steht naturgemäss die Menschwerdung nicht am Anfang, sondern in der Mitte. Vom ersten Anfang an ist jedoch alles Gewordene auf Jesus Christus bezogen, wie auch nach seiner Auferweckung und Himmelfahrt alle Ereignisse letztlich durch ihn bestimmt sind und von ihm, dem ständig geheimnisvoll Gegenwärtigen und Wirkenden, der Vollendung entgegengeführt werden.

Ein weiteres Moment muss in diesem Vorwort noch hervorgehoben werden. Es wird sich auch in diesem Bande zeigen, dass alle Glaubenswahrheiten mit allen Glaubenswahrheiten in Konnex stehen. Dies hat die Folge, dass die Thematik des ersten und zweiten Bandes, die Lehren also von der Selbsterschliessung Gottes und von Gott dem Einen und Dreieinigen, in diesem dritten Band immer wiederkehren wird, nicht in einer einfachen Wiederholung, sondern in neuer Klärung, Vertiefung und Bereicherung und neuen Zusammenhängen. Umgekehrt wird man für das Verständnis des vorliegenden Bandes häufig Band 1 und 2 zu Rate ziehen müssen. Wenn ein einziger Band die gesamte Glaubenslehre bietet, ist der eben angedeutete Vorgang leichter zu vollziehen. Hier stossen wir auf eine Grenze, die aus der Aufteilung des gesamten Materials auf sechs kleinere Bände entsteht. Wie früher schon betont wurde, wird trotzdem diese Gliederung vorgezogen, weil kleinere Bände handlicher und bequemer zu gebrauchen sind. Es würde indes nicht ganz dem Sinne dieser Einteilung entsprechen, wenn nicht ständig ein mit dem jeweiligen Thema zusammenhängender früherer oder späterer Teil berücksichtigt würde, wie man in einem Werke, das alles in einem einzigen Bande zusammenfasst, rückwärts und vorwärts blättern muss.

Es sei noch ausdrücklich betont, dass der Verfasser

 

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sich bemühte, die Ergebnisse der heutigen Exegese und Bibelwissenschaft soweit als möglich seinen Ausführungen zugrunde zu legen. Er versuchte zu diesem Zwecke, die exegetische Argumentation mitzuvollziehen und distanzierte sich dort, wo sie ihm nicht schlüssig zu sein schien, oder übernahm solche Ergebnisse der Exegese, für die ihm im Unterschiede von entgegengesetzten die stärkeren Argumente zu sprechen schienen, oder versuchte eine eigene Lösung.

Es sei noch darauf hingewiesen, dass Literatur und Register für sämtliche Bände erst dem letzten Bande beigefügt werden, wobei natürlich jeweils die Bandzahl mitgenannt wird. Die Methode der Darstellung legt dieses Verfahren nahe, da in den meisten Bänden von den gesuchten Problemen die Rede ist und ebenso die gleichen Schriftstellen und Autoren in verschiedenen Bänden erwähnt werden. So kann der Leser alles, was ihn interessiert, mit einem einzigen Nachschlagen finden.

Für die Hilfen an diesem Bande habe ich den gleichen Damen und Herren zu danken wie bei den bisherigen Bänden sowie Herrn Franz Echterhoff in Recklinghausen.

Gauting, Pfingsten 1979.

Michael Schmaus

 

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