8. Kapitel

Vorsehung und Verhüllung Gottes in der Geschichte

 

Weil Gott im Ablauf der Geschichte verborgenerweise immerfort am Werke ist, ist die ganze Geschichte eine fortlaufende Enthüllung Gottes. Während sie nach Hegel ein ununterbrochenes Werden Gottes besagt, ist sie nach dem Zeugnis der Offenbarung eine Wirkung und in diesem Sinne eine fortwährende Enthüllung Gottes. Gott ist nicht ein Werdender, sondern Sein und Tun (actus purus). Aber hier gilt das gleiche Gesetz wie bei allen göttlichen Offenbarungen. Jede

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Offenbarung geschieht in Verschleierungen. In jeder Offenbarung verbirgt sich Gott zugleich, und, je gewaltiger er sich offenbart, um so tiefer verbirgt er sich. Am lebendigsten offenbart er sich im Kreuzestode Christi. Und doch gibt es keine stärkere Verhüllung als ihn, so dass der Ungläubige gerade angesichts des Kreuzestodes Christi über den Christenglauben lachen (1 Kor 1, 23) kann. Indem Gott sich enthüllt, entäussert er sich in die menschliche Schwäche hinein. Was Paulus im Philipperbrief (2, 7) vom Sohne Gottes, vom personalen Worte Gottes, sagte, dass es sich selbst entäusserte, das gilt von jedem Wort und Werk Gottes. Indem Gott sich den Menschen offenbarte, entäusserte er sich in die menschliche Weise des Denkens, Vor-stellens, Redens hinein. Indem der Heilige Geist einen Menschen veranlasste, eines der kanonischen Bücher zu schreiben, entäusserte er sich noch tiefer in die menschliche Unvollkommenheit und Mangelhaftigkeit hinein. Indem der Heilige Geist am Werke ist, die ganze Welt in die durch Christi Tod eröffnete neue Seinsweise hineinzuziehen, entäussert er sich in die mensch­lichen Schwächen hinein, von denen die Kirchengeschichte auf vielen Blättern ein düsteres Bild zeichnet. Es gibt daher keine eindeutigen Erfahrungen Gottes im Zeitgeschehen. Gott kann in der Weltgeschichte nicht mit Sicherheit festgestellt werden, so dass man sagen könnte: Hier ist er, dort ist er nicht. Die Geschichte ist immer ein Gewebe von göttlichem und menschlichem Tun, und es ist unmöglich, die Fäden des Gewebes zu entwirren und genau zu unterscheiden. Gottes Selbstdarstellung in der menschlichen Geschichte steht daher in einem unaufhellbaren Zwielicht.

Bei dem Gewicht, welches die Erschaffung der Menschen besitzt, ja um die Tatsache, dass es vor allem um den Menschen geht, gebührend in das Licht

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zu rücken, soll in den folgenden Überlegungen zunächst vom Menschen die Rede sein, sodann von der Materie und endlich von den für den Ablauf der Heilsgeschichte bedeutungsvollen Engeln sowie vom Teufel und von den Dämonen.

 

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