i) Väterlehre

 

In der Väterzeit wurde der astrologische Aberglaube scharf bekämpft, z.B. von Gregor von Nyssa, von Diodor von Tarsus, von Augustinus. Nicht die Sterne stehen über Gott, sondern Gottes Licht leuchtet über allen Sternen. Dieser Vorstellung steht allerdings nicht die Meinung entgegen, dass zwischen den Bewegungen der Himmelskörper und dem Geschick des Menschen eine gewisse lockere Entsprechung herrscht, durch welche die Freiheit des Menschen nicht aufgehoben wird. Bei der engen Beziehung des Menschen zum Kosmos ist ein solcher Zusammenhang wahrscheinlich. Trotz seiner Unwandelbarkeit ist der göttliche Weltplan innerlich und wesentlich verschieden von der unentrinnbaren Gesetzlichkeit der Natur mit ihrer Verkettung von Ursache und Wirkung, ebenso von einem unausweichlichen Schicksal, das dem Menschen in geheimnisvollem Walten eine bestimmte Aufgabe im Zusammenhang des Weltganzen zuweist und ihn hierfür schützt und prägt. Der Vorsehungsgläubige weiss seine Lebenslose in den Händen eines gütigen, in Liebe sich ihm zuneigenden allmächtigen Vaters, der alles, wenn auch durch schwere Schicksale hindurch, dem Heile entgegenführt. Gott, die Liebe, nimmt die Sache des Menschen in seine starken und gütigen Hände. Daher wird auch der Tod zum Aufgang eines grossen und reichen Lebens. Deshalb ist das Wort des Apostels Petrus: »Werfet alle Sorgen auf den Herrn« (1 Petr 5, 7) nicht ein märchenhaftes, sondern ein realistisches Wort.

 

k) Vorsehung als Herausforderung der menschlichen Kräfte

 

Die göttliche Vorsehung legt die menschlichen Kräfte nicht lahm, sondern fordert sie heraus. Weil der

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Mensch immerfort in allem, was er wirkt, Gott selbst wirksam weiss, kann er jede Tätigkeit als Begegnung mit Gott realisieren. Dadurch wird die Welt von der blossen Sachlichkeit befreit. Sie gewinnt einen personalen Charakter, ohne dass dabei die ihr eigene und die für sie massgebende Sachlichkeit gefährdet oder gar zerstört wird. Infolge der den Menschen von Gott selbst gewährten Freiheit befreit der Glaube an die göttliche Vorsehung den Menschen auch nicht von der Initiativfähigkeit und Initiativfreudigkeit, von der Bereitschaft zum Risiko, von dem schöpferischen Wirken. Ja, durch die göttliche Tätigkeit wird dies alles in Bewegung gesetzt. Hierbei werden entsprechend der jeweiligen Situation im politischen, im sozialen, im kulturellen, im philosophischen Bereich jeweils neue Formen für das menschliche Zusammenleben geschaffen werden. Die Kirche selbst ist an keine bestimmte soziale oder wirtschaftliche oder politische Gestalt gebunden, falls nur jeweils die dem Menschen zukommende Freiheit und Würde gewährt bleibt. Ja, man muss damit rechnen, dass ein System in diesen Bereichen lange Zeit hindurch seinen Sinn auf das beste erfüllt, während es später infolge veränderter kultureller oder wissenschaftlicher oder technischer Verhältnisse nicht nur veraltet, sondern sogar schädlich erscheint. Das Urteil hierüber allerdings, wann eine dieser Formen durch eine neue abgelöst werden muss, ist äusserst schwer zu fällen. Es ist damit zu rechnen, dass eine bisher bewährte Form von ihren Vertretern nicht nur nicht aufgegeben, sondern mit allen Kräften geschützt und gehütet wird, weil sie sich bewährt hat, während das heraufziehende Neue noch unerprobt ist und daher voll von Unsicherheit oder Gefahr zu sein scheint. Trotz dieser Schwierigkeit ist jedoch zu betonen, dass sich die Gestalten des menschlichen Zusam-

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menlebens in all den genannten Dimensionen in einem ständigen Wandel befinden. Das Werden der sozialen und wirtschaftlichen Gestalten ist geradezu wesentlich.

 

   

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