3. Unterscheidung von Glaubenszeugnis

 und Weltbild

 

Für das Verständnis der biblischen Aussagen ist es von fundamentaler Bedeutung, Weltbild und Glaubenszeugms zu unterscheiden. In hohem Masse trägt das biblische Schöpfungszeugnis die weltbildliche Gestalt jener Zeit. Insbesondere zeigt sich die Verwandtschaft zwischen dem biblischen Zeugnis und dem babylonischen Schöpfungsepos (des Enuma elis). Es muss jedoch sogleich auf den tiefgreifenden Unterschied zwischen den Schöpfungstheorien der israelischen Umwelt und dem Schöpfungsglauben der Bibel hingewiesen werden.

In  den  mythischen  Schöpfungsvorstellungen herrscht durch­gehender Polytheismus. Die Götter entstehen aus dem Chaos. Der Gott Israels existiert unabhängig von allen anderen Mächten. Er ist einfach da, ohne dass gefragt wird, woher er kommt. Zu seinem Wesen gehört offensichtlich die Existenz, die keinen Anfang hat und auch keine Begründung ausserhalb ihrer selbst. Er setzt den absoluten Anfang. Er beherrscht das Chaos. Der Ausdruck »im Anfang« ist im absoluten Sinn zu verstehen. Mit der Schöpfungstat Gottes beginnt jene Bewegung der Welt, die zu der Erschaffung der Menschen, zu deren Sünde, zu der Verheissung Gottes als der Antwort auf die Sünde des Menschen hinführt und mit der Berufung Abrahams in jene entscheidende Phase eintritt, welche über Mose zu Jesus Christus hinführt.

Das Lexikon »Die Religion in Geschichte und Gegenwart« Bd. 5, 1474f erklärt: »Innerhalb der formalen Ähnlichkeiten erscheinen grundsätzliche Unterschiede ...

 

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a) Im polytheistischen Bereich entstehen die Götter aus dem Chaos, während für Israel Gott unabhängig existiert und das Chaos beherrscht.

 

b) In beiden (mythischen) Fällen wurde der Mensch als Diener geschaffen, dessen Leben im Dienste der Gottheit besteht. Aber in Israel wurde die Berufung des Menschen in königlichen Kategorien erstanden; sein Auftrag ist die verantwortliche Herrschaft über alles Erschaffene auf Erden (vgl. Ps 8). Er erhält also durch seinen Auftrag eine besondere Würde.

 

c) Die babylonische Erzählung schliesst mit der Errichtung und Einweihung des grossen Tempels Esaglia, während der Bericht bei P (Priesterschrift) mit der Heiligung des Sabbats abschliesst (Gen 2, 1-3), d.h. die Zeit und die Berufung des Menschen in der Zeit stehen im Mittelpunkt, nicht der Raum oder ein Gegenstand im Raum.

d) Der priesterliche Bericht in Gen 1, 1 - 2. 4a ist stärker kosmologisch interessiert und ausgerichtet als der des Jahwisten (Gen 2, 4b-20). Für beide ist jedoch die Erschaffung des Menschen Gottes wichtigste Tat. Tatsächlich ist der jahwistische Bericht einfach Vorspie! zu dem zentralen Interesse des Verfassers, nämlich dem Problem des Menschen als Sünder und Rebell. Weder für P noch für J hat die Schöpfung ihren Zweck in sich selbst. Das Hauptanliegen ist, Gott als den Schöpfer zu bezeugen, weil er der Herr der Zeit und der Geschichte ist, und den Menschen als Sünder zu sehen, für den die Verheissungen an Abraham (Gen 12) Gottes Antwort sind. So ist die Schöpfung kein kosmologisches oder mythisches Ereignis; sie ist Gottes erste machtvolle Tat in der Geschichte. Zu dem mehrdeutigen Begriff »Weltbild« siehe z.B. H. Forster, (Hrsg.), Studien und Berichte, Heft 16, Schöp-

 

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fungsglaube und Biologische Entwicklungslehre, 1962 (Mitarb. J. Hürder, A. Haas, K. J. Narr, A. Guggenberger, Ph. Dessauer).

 

 

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