6. Sinnhaftigkeit der Schöpfung durch den Menschen

 

Dies hat zur Folge, dass die Schöpfung nicht wäre, wenn es in ihr nicht jene Möglichkeit der bewussten, subjektiven Hinwendung auf Gott gäbe. Eine rein materielle Schöpfung ohne das Prinzip des Geistes würde ihrem Sinne nicht gerecht. Durch eine solche These wird die Freiheit Gottes in seinem Schöpfungsratschluss nicht angetastet. Denn die Freiheit Gottes begreift ja in sich, dass das, was Gott tut, sinnvoll ist. Dies lässt sich theologisch behaupten, auch wenn wir

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nicht sagen können, was nicht nur für uns, sondern auch für Gott sinnvoll ist. In der Heiligen Schrift wird dieser Zweck der Schöpfung unzählige Male, vor allem in den Psalmen und in den prophetischen Büchern, in der Weise dargestellt, dass die ganze Welt aufgerufen wird, Gott zu preisen, ja, dass die ganze Welt als ein Preislied auf Gott proklamiert wird.

In jener Gestalt, in welcher die Selbstentäusserung Gottes sich zusammenfasst und kulminiert, in Jesus, ist die göttliche Absicht schon zum Ziele gekommen. Genau genommen lässt sich dies allerdings erst von dem auferstandenen Christus sagen. Alle übrigen Geschöpfe kommen zu ihrem Ziele dadurch, dass sie an dem Auferstehungsleben Jesu Anteil gewinnen. Diese Teilnahme hat wiederum verschiedene Stufen. Sie beginnt mit dem Glauben an Christus und vollendet sich in der leiblichen Verklärung eines jeden einzelnen (und des gesamten Kosmos). So muss man von der schöpferischen Tätigkeit Gottes neuerdings sagen, dass sie den Weg in eine absolute Zukunft eröffnet hat. Gott ist derjenige, welcher dem Menschen eine absolute Zukunft gewährt. Deren Eintritt bedeutet ihrerseits den Anfang eines unabsehbaren durch ungezählte Jahrmillionen weiterführenden und nie mehr endenden Weges.

Auch hier sehen wir wieder, dass es sich in den theologischen Aussagen primär nicht um die Erkenntnis des Wesens der Welt, sondern um die Erkenntnis des Weges der Welt von ihrem Anfang bis in die letzte Zukunft, bis in ihre höchste Vollendung hinein handelt. Nur insoweit für das Verständnis des Weges die Erkenntnis des Wesens von Gewicht ist, ist in der Theologie auch die Wesenserkenntnis erforderlich. Die Welt ist aber trotz ihrer Substanzialität eine Welt des Werdens. Sie ist auf dem Wege und ist selbst Weg.

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Wenn Gott durch die Erschaffung den Weg in eine absolute Zukunft eröffnet hat, hat er damit ein grosses Risiko auf sich genommen. Denn dieser Weg soll nicht in einer automatischen Weise die Menschen fortziehen, sondern in freier Entscheidung begangen werden. Aber gerade die Freiheit schliesst die Möglichkeit in sich, dass die Menschen sich weigern, den Weg nach Gottes Willen zu gehen. Er soll begangen werden in einem ständigen Dialog mit Gott, welcher sich im brüderlichen Dialog der Menschen untereinander darstellt. Der Dialog mit Gott, der Liebe, ist der Sinn des göttlichen schöpferischen Tuns. Wie sehr Gott an diesem Dialog gelegen ist, zeigen eben gerade die Christusgestalt und das Christusgeschehen. (Über Grösse und Gefahr der Freiheit soll später eingehender gesprochen werden. Dabei wird sich zeigen, dass die Freiheit gerade der Preis der Liebe ist.)

   

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