7.
Schrift und Überlieferung
über
Gottes »Mitwirkung«
Von
der Schrift und Überlieferung wird die erhaltende und »mitwirkende« Tätigkeit
Gottes gewöhnlich in einem bezeugt. Gott wirkt nach dem AT die Geschichte der Völker
und das Alltagsgeschehen im Leben des einzelnen (Ex 24, 10; Dtn3,24; 11, 3. 7;
Jos24, 31; Ps 66, 3. 5; das ganze Buch Tobias; Dtn-Jes 45, 11; Jer 50, 25; 51,
10). Was immer an einem Menschen geschieht: Gott wirkt es (Jes 26, 12). Er wirkt
Leben und Untergang. Nur der Gläubige freilich sieht in den Ereignissen der
Natur und Geschichte Gottes waltenden Willen, der Gericht hält und Heil schafft
(Jes 5, 12; 22, 11; 28, 21.; 29, 23). Er wird in den Psalmen verkündet als der
Gott, der den todverfallenen Kranken dem Leben zurückgibt und der dem Frommen
Recht schafft wider seine Feinde. »Was mir Weib, Kinder, Freunde oder Feinde
tun, was mir Menschen Böses oder Gutes tun, das tut Gott« (G. Kittel, Wörterbuch
zum NT II, Stuttgart 1936, 637f: Artikel ergon).
Das
Wirken Gottes, von dem Christus Joh
5, 17 spricht, ist ein Wirken sowohl des Seins wie der Taten der Geschöpfe. Er
wirkt die Entschlüsse des Willens und die Taten der Hand (Phil 2, 13).
Wenngleich
in der Schrift alle Taten des Geschöpfes als Taten Gottes charakterisiert sind,
so wird doch das Wirken des Geschöpfes nirgends zu einem blossen Schein
herabgedrückt. Gott wirkt und das Geschöpf wirkt. Das Wirken des Geschöpfes
ist in das Wirken Gottes aufgenommen. Ein Ausgleich zwischen dem Tun Gottes und
dem Tun des Geschöpfes wird nicht versucht. Die Schrift schildert eben die
Dinge und Geschehnisse in ihrem konkreten Verlauf. Sie betont das Wirken Gottes
und das Wirken des Menschen ohne ei-
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ne
innere Harmonisierung zu bieten. Bei dem Wirken der untermenschlichen Dinge fällt
gelegentlich ein so starker Ton auf das Wirken Gottes, der das Tun der Geschöpfe
bewirkt, dass dies letztere, also die Eigentätigkeit der »Zweitursache«
auszufallen scheint. Ja, nicht selten erhebt sich angesichts der Energie, mit
welcher die Schrift das Hineinwirken Gottes in die innersten Entscheidungen des
geschaffenen Geistes schildert, die Frage, ob da noch Raum für die Freiheit
bleibt. Gott »bewirkt, dass Absalom den guten Rat Achitophels verwirft, um Böses
über ihn zu bringen, er gibt Jeroboam ein, das bittende Volk abzuweisen, er
reizt David, die verderbliche Volkszählung zu beginnen. Er scheint den Saul zu
seiner unversöhnlichen Feindschaft gegen David anzustacheln, er verstockt den
Pharao oder den Sihon oder auch die Kanaäer im allgemeinen. Ja er sendet sogar
seine Propheten mit dem ausdrücklichen Befehl: »Verstocke das Herz dieses
Volkes, verblende ihre Augen, verstopfe ihre Ohren, dass sie nicht sehen und hören
und wieder Heilung finden.« Einen Geist des Tiefschlafs giesst er über sein
Volk aus und verhärtet sein Herz (W. Eichrodt, Theologie des AT, II, Leipzig
1935, 93). Die Menschen sind in der Hand Gottes wie der Ton in der Hand des Töpfers
(Jer 18, 6). »Gleich Wasserbächen ist das Herz des Königs in der Hand des
Herrn; er leitet es, wohin er will« (Spr 21, 1).