3. Schöpfung und Evolution
Die These von der Evolution fordert die Schöpfungslehre, da ohne sie die Grundlage fehlt. Diese erfährt umgekehrt durch die Evolutionsthese eine nähere Erklärung. Vor allem erscheint die Schöpfung im Lichte der Evolution nicht als punktuelles, sondern als immerwährendes Geschehen (creatio continua). Die Wirklichkeit stellt sich als eine unaufhörliche Bewegung dar, deren Ausgang durch den Beginn der schöpferischen Tätigkeit Gottes gesetzt ist, deren allerdings nicht im natürlichen Entwicklungsgang erreichbares Ziel die in einer seligen Kreisbewegung erreichbare Ankunft bei Gott im Vorgang der Verklärung ist, allerdings nicht um hierbei abzubrechen, sondern um unabsehbar weiterzuströmen (siehe die Eschatologie). Wenn die Schöpfung als Gottes Tat und als deren Ergebnis von dem evolutiven Denken durchleuchtet wird, gewinnt sie ein dynamisches Antlitz. Sie verliert ihr statisches Aussehen.
4. Gewissheit der Evolutionsthese?
Was
die Gewissheit der Evolutionsthese betrifft, so kann sie wegen der der
Naturwissenschaft eigentümlichen Erkenntnismethode nie den Grad philosophischer
Gewissheit im Sinne der aristotelisch-scholastischen Philosophie erreichen. Das evolutive
Denken be-
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herrscht
jedoch heute fast den ganzen Bereich der Wissenschaft und der Technik, ja
auch das vorwissenschaftliche und ausserwissenschaftliche Lebensgefühl. Auch
derjenige, welcher heute der These von der Evolution der Welt gegenüber noch
vorsichtig und zurückhaltend ist, wird zugeben, dass sie durch zahlreiche
konvergierende Argumente aus den verschiedensten Wissenschaftsbereichen zu einer
Theorie geworden ist, gegenüber welcher für die Erklärung der von den
Wissenschaften bisher festgestellten Phänomene keine überzeugende Alternative
gefunden wurde. Wer die Evolution ablehnt, muss eine Erklärung bieten, welche
die bisher bekannt gewordenen Fakten nicht weniger verständlich machen kann als
die Evolutionstheorie. Diese ist eine heute praktisch nur von wenigen,
allerdings bedeutenden Gelehrten bestrittene
Interpretation unserer Welt, mögen die Einzelerklärungen und die Detailgründe
auch noch viele Gegensätze und Lücken aufweisen.