2.
Kapitel
Ihre Existenz
Wie
alle Geschöpfe sind auch die Engel auf Christus hin erschaffen, so dass er auch
ihr Herr und ihr Haupt ist (Kol 1, 16). Wenn jemand diese Unterordnung nicht
sieht, können ihm die Engel sogar zu einer Glaubensgefahr werden (Röm 8, 38),
indem er ihnen in seinem Glauben jenen Raum einräumt, der Christus allein gebührt
(vgl. Kol 2, 18f). So erhaben die Engel auch sein mögen, Christus steht über
ihnen (Hebr 1, 5).
3. Kapitel
Heilsgeschichtlicher
Sinn der Engel
Wie
von den übrigen Geschöpfen, so soll auch von den Engeln nur im
heilsgeschichtlichen Bezug gesprochen werden. Die ontologischen Probleme in
bezug auf die Engel sollen nur insoweit behandelt werden, wie dies im
heilsgeschichtlichen Interesse nötig ist. Die Schrift selbst berichtet von
Engeln nicht, um unser Wissen von der Schöpfung zu kompletieren, sondern im
Hinblick auf den Menschen. Im übrigen ist die Heilige Schrift gerade in dieser
Hinsicht äusserst zurückhaltend. Die heilsgeschichtliche Schau ist im Laufe
der Kirchengeschichte nie aus dem Auge verloren worden. Man muss jedoch darauf
hinweisen, dass in der
358
mittelalterlichen
Theologie der im Schöpfungstraktat behandelte Teil über die Engel hauptsächlich
als Gelegenheit benutzt wurde, metaphysische und erkenntnistheoretische Fragen
zu lösen.
Nach
Thomas von Aquin gehören auch die Engel zu jenem Corpus, dessen Haupt Christus
ist. Auch die Heiligkeit der Engel ist nach ihm durch Christus geprägt.
Johannes vom Kreuz vertrat die Meinung, dass der Sohn Gottes Mensch wurde, um
die erlöste Menschheit mitsamt den Engeln zu einer Kirche zu vereinigen.
Nikolaus von Kues sieht eine von Gott aus den Engeln und aus den durch Christus
mit Gott geeinten Menschen konstituierte Kirche.
Dem
heilsgeschichtlichen Aspekt entspricht es, wenn bis zum Mittelalter hin das Wort
»Engel« verwendet wurde, um eine Aufgabe zu bezeichnen, nicht um das Wesen zu
interpretieren. Erst seit dem Mittelalter wurde der Ausdruck Engel als
Wesensname verwandt.