9. Grenzen der Entwicklung nach der kirchlichen Lehre
In
der oben genannten Enzyklika Pius'
XII. (Humani generis) wird denn
auch betont, dass nur die Lehre von der Entstehung des menschlichen Leibes aus
dem Tierreich vertreten werden könne,
während der kathofische Glaube
die unmittelbare Erschaffung der Geistseele durch Gott festhalte.
Die
evolutive Interpretation setzt
ein bestimmtes Bild des Menschen voraus. Dieses lässt sich auf dem Wege der
Evolutionslehre selbst nicht gewinnen. Der Mensch ist in seinem Wesen als Mensch
durch Materie und Geist konstituiert. Die Entstehung der Geistseele lässt sich
nicht adäquat aus der Materie erklären, sondern nur durch einen schöpferischen
Akt Gottes verstehen, da Geist und Materie wesensverschieden sind. Man darf
allerdings die Erschaffung des Geistes von Seiten Gottes nicht als einen völlig
neuen Eingriff Gottes in die von ihm geschaffene Welt, etwa im Sinne einer
Korrektur verstehen.
10.
Entstehung des Geistes durch schöpferisches Tun
Der
Geist — als Specificum des
Menschen — ist kein vom Himmel herabgestiegener oder herabgefallener
Fremdling. Er steht in einem Entwicklungszusammenhang mit den untermenschlichen
und vormenschlichen Lebensformen. Die ganze Werdebewegung zielt auf den
Menschen, auf den Geist, auf die Person. Man kann sie daher mit Teilhard
de Chardin als Konzentrations-
und Personalisationsprozess
bezeichnen. Ja, sie drängt infolge der gnadenhaften Berufung des Men-
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schen
zur Teilnahme am göttlichen
Leben über den Menschen hinaus
auf Jesus und über den geschichtlichen Jesus hinaus auf den Neuen Himmel und
die Neue Erde zu.
Gott,
der als der Selbstwirkliche (H. Schell)
am Anfang der Zeit steht, erwartet zugleich die Ankunft seiner Schöpfung, um
sie aufzunehmen in die Bewegung seines eigenen dreipersonalen Lebens. Diese
Ankunft, diese ihre Zukunft erreicht die Schöpfung in einer gewaltig
aufsteigenden Linie durch Herausbildung immer komplexerer Gebilde, immer
komplizierterer Bauformen, immer höher organisierter Lebewesen mit ständig
sich vervollkommnenden Nerven- und Gehirnsystemen und dadurch ständig
wachsender Innerlichkeit, der
Grundlage für die gottgewollte, von Gott geschaffene Entstehung des Geistes. In
dieser Bewegung hofft die Menschheit auf die Stunde der Ankunft bei
Gott, welche der vollendende Höhepunkt der mit dem ersten Element
einsetzenden Bewegung sein wird (vgl.
H. Schell, Gott und Geist, Paderborn
1895f). Sie kann diese von ihr ersehnte Stunde nicht herbeizwingen, sondern nur
als Geschenk von Gott empfangen.
Der
Geist entsteht also in der von Gott vorgesehenen Stunde und in dem von ihm
vorgesehenen Organismus auf Grund des ewigen, bleibenden
göttlichen Schöpfungswillens als neues Prinzip. Auf die Entstehung des Geistes
auf Grund des ewigen göttlichen Schöpfungsplanes zielt die ganze
Weltentwicklung hin. Diese ist auf den Menschen hin präorientiert. Soweit die
Naturwissenschaft erklärt, dass eine solche Finaiität
mit ihren Mitteln nicht festgestellt
werden könne, dass man vielmehr unter naturwissenschaftlichem Aspekt den Zufall
einsetzen müsse, so kann die Theologie darauf hinweisen, dass, was eventuell
naturwissenschaftlich nicht gesichert werden kann, durch
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theologische
Überlegungen gesichert ist. Wenn es einen planenden und alles regierenden Schöpfer
gibt, dann ist es eine zwingende Folgerung, dass das Entwicklungsgeschehen auf
ein Ziel hinstrebt. In einer solchen Sicht ist die Finalität
eine Glaubensaussage und nimmt daher an dem Geheimnischarakter aller
Glaubensaussagen teil.