2. Gottes Freiheit im Schöpfungsakt

 

Gott wird nicht durch irgend etwas von ihm Verschiedenes oder durch einen inneren Drang zu seiner weltschöpferischen Tätigkeit veranlasst. Das weltschöpferische Tun Gottes hat vielmehr seinen Grund ausschliesslich in Gott selbst. Gottes Existenz ist zwar notwendig, so sehr, dass er nicht nicht existieren kann. Er existiert auf Grund dessen, dass er Gott ist, und er ist Gott, weil er das Sein selbst ist. Er ist das absolute Sein, eben das Sein selbst. Sein Gottsein ist seine Existenz, seine Existenz ist sein Gottsein. Infolge der früher (Bd. 2) entwickelten Geistigkeit Gottes ist jedoch Gott in der Notwendigkeit des Existierens zugleich frei, ja er ist die absolute Freiheit. Freiheit und Notwendigkeit fallen bei ihm zusammen. Die Freiheit bezieht sich dabei nicht etwa auf seine Existenz, so dass er seine Existenz auch aufheben könnte. Sie bezieht sich vielmehr auf seine innere Selbstbejahung und in einem anderen Sinne auf die Ratschlüsse gegenüber dem, was er nicht selbst ist, und zwar in einer doppelten Weise, in dem Sinn nämlich, ob er etwas von ihm Verschiedenes überhaupt hervorbringen will, und in dem

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Sinne, was er hervorbringen will, wie er Menschen und Dinge zusammenordnen will, wie er mit ihnen umgehen will. Alles Nichtgöttliche ist ja kontingent. Es könnte auch nicht existieren. Es existiert nur auf Grund des göttlichen Willens. Es ist ein tiefes Geheimnis, wieso Gott etwas von ihm Verschiedenes hervorzubringen sich entschliesst. Er ist ja in sich selbst absolut vollkommen und hat daher keinerlei Bedürfnis, das er durch seine schöpferische Tätigkeit oder durch Selbstentfaltung (Hegel) zu befriedigen vermöchte. Gott lebt sein Leben im trinitarischen Lebensaustausch und bedarf keiner Komplementierung oder Ergänzung oder Vollendung von Seiten einer von ihm verschiedenen Wirklichkeit. Ja, es fragt sich, wieso Gott überhaupt etwas von ihm Verschiedenes hervorbringen kann. Er ist ja unendlich. Kann es mit und neben dem Unendlichen Endliches geben? Kann Endliches mit dem Unendlichen koexistieren oder umgekehrt? Wird nicht vielmehr Endliches von der Dynamik des Unendlichen notwendig in sich hineingesogen wie ein vorbeifliegender Vogel von dem Luftstrom eines Flugzeuges? Muss man nicht etwa sagen, dass es entweder nur Unendliches oder nur Endliches gibt, wenngleich dieses letztere in quantitati­ver Weise ins Endlose gesteigert werden könne? Wenn Gott der Unendliche ist und wenn die Schöpfung die von ihm hervorgebrachte endliche Wirklichkeit ist, so steht eine unüber­wind­liche Aporie an der Wurzel der geschöpflichen Existenz bzw. des christlichen Schöpfungsglaubens. Wir können in dieser Frage, wenngleich die Aporie nicht aufgehoben werden kann, so dennoch klarer sehen, wenn wir das dreipersonale Leben Gottes betrachten.

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