c) Existentielle Bedeutung der Welterhaltung

 

So bedeutet der Glaube an die Erhaltung der Welt durch Gott keine Ermutigung zu einer weltseligen, behaglichen Ruhe und Unbekümmertheit oder zu einem sorglosen und zuversichtlichen Warten auf immerwäh-

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renden Fortschritt. Sie wird nur recht verstanden im Zusammenhang mit der verantwortungsvollen, dem Menschen zugewiesenen Aufgabe der Weltgestaltung, die ihrerseits ihr Mass am Menschen, an dem Wohle des einzelnen und der menschlichen Gesellschaft hat, sowie im Hinblick auf die Offenbarung von der Verwandlung der Welt, die in Jahrmillionen, die auch in der nächsten Sekunde erfolgen kann. Das hängt von dem freien, für uns unerforschlichen Willen Gottes ab. Weil es so steht mit der Welt, deshalb ist sie und unser Dasein in ihr, genauer gesagt unsere jetzige Daseinsform stets und zutiefst ungesichert (vgl. P. Wust, Ungewissheit und Wagnis, Salzburg - Leipzig 1937). Gegen diese Ungesichertheit kann der Mensch sich auf keine Weise schützen, weil er nichts vermag gegen den allmächtigen Gott.

Zugleich aber bedeutet die Lehre von der göttlichen Welterhaltung für den Menschen höchste Geborgenheit. Er kann letztlich von keinem tückischen Schicksal zermalmt werden, da Gott alle Schicksale in der Hand hat. Gott aber wird nichts verloren gehen lassen, sondern die Welt und alles, was der Mensch in seinem Schaffen ihr eingestaltet, bewahren; es wird in der zum Neuen Himmel und zur Neuen Erde verwandelten Welt in verwandelter Gestalt wiederkehren.

In der Lehre Heideggers lässt sich ein Echo der Offenbarungswahrheit vernehmen, dass die Dinge immerfort über dem Abgrund des Nichts hängen und hineinstürzen, wenn Gottes Hand sie nicht hielte. Während sie aber in die Nacht des Nichts kein Licht hineinleuchten lässt, gibt uns die Offenbarung die Ver­sicherung, dass Gott die stets vom Nichts gefährdeten Dinge stets in den hellen, warmen Raum seiner Liebe hineinzieht. Deshalb ist die dem Christen gemässe Grundhaltung vor der Unsicherheit des Daseins nicht

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die Angst, auch nicht die Angst überwindende heroische Verzweiflung, sondern die in den Wirrnissen der Geschichte und des persönlichen Lebens in die Liebe Gottes hineinblickende und hineinschreitende Zuversicht. Denn alle Unsicherheit und Ungeborgenheit, alles Ausgesetztsein und Gefährdetsein ist von einer letzten Geborgenheit umgriffen. Der zutiefst Ungesicherte weiss sich letztlich gesichert in der allmächtigen Liebe Gottes. Je heftiger er seine unüberwindliche vordergründige Un­ge­sichertheit erfährt, um so lebendiger kann er seine letzte Gesichertheit in Gott erfahren. So kann er in der Überantwortung seines Selbst an Gott der Verzweiflung oder dem Nihilismus entrinnen.

Die im Vertrauen (»Urvertrauen«) auf die schöpferische Tätigkeit Gottes begründeten Haltungen (Demut, Dankbarkeit, Liebe, Anbetung, Hingabe) erfahren durch den Glauben an die erhaltende Tätigkeit Gottes eine Vertiefung und Festigung. In diesem Glauben werden wir zugleich der Nähe und Ferne Gottes inne.

Wenn jedes Geschöpf nur existiert, insofern es in einem immerwährenden Vorgang von Gott hervorgebracht wird und von ihm herkommt, wird uns jedes Ding und jeder Mensch zu einer Begegnung mit Gott. Sie sind uns in ihrer konkreten Bestimmtheit von dem sie erhaltenden, als personhafte Liebe existierenden und schaffenden Gott zugewiesen. Gerade in dem Augenblick, in dem wir auf einen Menschen oder auf ein Ding stossen, kommen sie jeweils aus dem Abgrund der göttlichen Liebe. So ist jeder Mensch und jedes Ding für den gläubigen Menschen ein Anruf Gottes.

Weil die Dinge immerfort von der fortdauernden schöpferischen Liebe Gottes herkommen, Augenblick für Augenblick, sind sie fortwährend in Bewegung. Sie bleiben in dem durch das ex-sistere geschaffenen

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Stand. Sie bestehen, indem sie ihr Entstandensein, ihr Herausgeschrittensein bewahren oder vielmehr indem Gott es bewahrt (sistunt ex deo bzw. extra deum bzw. ex nihilo per deum). Ihr Bestehen ist ihr Herausschreiten aus dem Liebesabgrund Gottes. Die Welt ist so in fortwährender Bewegung und zwar von ihrem tiefsten Grunde her. Diese Tatsache wird gewissermassen veranschaulicht durch die naturwissenschaftliche Feststellung, dass Makrokosmus und Mikrokosmos sich ständig in schnellster gesetzmässiger Bewegung befinden, ja dass der Stoff die Verdichtung von Energie ist. In diesem Charakter des Stoffes könnte man eine Ausstrahlung jener ununterbrochenen Hervorgänge der Welt vom Willen Gottes sehen, in welchem sich ihre Existenz verwirklicht.

   

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