7. Entwicklung des Lebens

 

Wir können also das Werden der Welt aus den von Gott erschaffenen Urteilchen oder Urenergien als ein Zusammen göttlicher und geschaffener Wirksamkeit verstehen, wobei Gott als Gott, das Geschöpf als Geschöpf jeweils das Ganze einer Wirkung hervorbringt. Der Prozess vollzieht sich vom sog. »Urknall« an in vielen Stufen und auf vielen Umwegen. Eine Stufe von besonderer Bedeutung ist jene des Lebens. Auf sie ist die »Kosmogenese« hingeordnet (Teilhard de Chardin).

Sobald das Leben einmal entstanden ist, entwickelt es sich in einer enormen Komplikation zu immer höheren Formen. Man kann von einem biologischen Aufstieg sprechen. Hierüber hat uns die Forschung zuverlässigere Ergebnisse vorgelegt als für die Entwicklung im anorganischen Bereich. Der biologische Aufstieg ist allerdings nicht allgemein. Er vollzieht sich weder gradlinig noch gleichmässig. Dennoch zeigen die von der Entwicklungsbioiogie vorgelegten Fakten, dass die Evolution eine allgemeine Orientierung, eine Neigung zu bestimmten höheren Formen besitzt. Dieser Trend betrifft allerdings nicht jeden Einzelbereich, denn manche Pflanzen und Tiere sterben aus oder entarten.

 

8. Der Mensch Ziel der Entwicklung

 

Der entscheidende biologische Trend ist derjenige zum Menschen hin. Der Mensch stellt die vorläufige Spitze der Entwicklung dar. Diese ist offensichtlich anthropologisch ausgerichtet. Die Evolution impliziert nach Teilhard de Chardin von ihren Ursprüngen an das Auftreten des Denkens auf der Erde und geht daher in

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Richtung auf den Menschen vor sich. Alles Vormenschliche ist Vorbereitung für die Geburt des Menschen. Das heisst nicht, dass innerhalb der Gesamtentwicklung jede Entwicklungsströmung beim Menschen ankommt. Es soll nur gesagt sein, dass die Evolution als solche auf den Menschen zielt. In zahlreichen Evolutionssträngen bricht sie vor der Menschwerdung ab oder sondert sich von der Hauptströmung ab. Aber auch diese Entwicklungsgänge haben infolge ihrer letzten Herkunft aus der gleichen Quelle einen ontologischen Bezug zum Menschen.

Die Entwicklungsthese bringt die Orientierung der ganzen nichtmenschlichen Welt auf den Menschen hin deutlich zum Ausdruck. Man darf hervorheben, dass die Entstehung des Menschen aus dem Tierreich nicht bloss eine leibliche, höhere Entwicklung tierischer Formen in Richtung auf den Menschen voraussetzt, sondern auch eine Entfaltung von Verhaltensweisen psychischer Art, welch letztere dem Menschen als Bedingung für sein geistgewirktes Tun dienen und in ihm in ihrer triebhaften Struktur nachweisbar sind. Zwischen diesen tierischen Vorstufen des Seelischen und der spezifisch menschlichen Geistigkeit besteht ontologisch ein Zusammenhang und zugleich ein Wesensunterschied. Die Geistigkeit des Menschen stellt etwas Neues dar und ist in ihrer Eigenständigkeit aus der tierischen Psyche nicht kontinuierlich ableitbar, wenngleich sie diese voraussetzt. Dann gibt es jedoch nur die einzige Erklärung, dass die Geistseele des Menschen in einer nur auf sie zutreffenden Weise auf Gottes schöpferischen Willen zurückzuführen ist.

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