2. Eigentätigkeit der Geschöpfe

 

Wenn die Geschöpfe Eigenwirklichkeit haben, dann kommt ihnen wesentlich auch Eigentätigkeit zu. Denn Sein schliesst wesentlich Tätigsein in sich, anders im Menschen, anders in der Materie. Bei den Geschöpfen hat das Tätigsein den Sinn der Selbstverwirklichung, dies jedoch nur unter dem Einfluss der schöpferischen

 

94

 

Wirksamkeit Gottes. Während das Tun Gottes nicht seiner eigenen Vervollkommnung dienen kann, sondern reiner Ausdruck seiner Vollkommenheit ist, da er die absolute Vollkommenheit ist, kann der Mensch sich selbst, nämlich seine vollkommene Gestalt, nur gewinnen durch das Tun, wobei allerdings auch sein Tun als Ausdruck der von ihm jeweils schon erreichten Vollkommenheitsgestalt gilt. Er muss sich in Freiheit nach seiner wahren Gestalt in der Zukunft ausstrecken. Endgültig wird er diese erst gewinnen in jener äussersten Zukunft, in welcher die ganze Welt und die einzelnen Menschen nach dem Modell des auferstandenen Christus verwandelt und von Gott in das ewige Gespräch mit ihm selbst und untereinander aufgenommen werden. Aber auch diese Tätigkeit steht unter dem Gesetz alles Geschaffenen, dass sie nämlich eine dem Geschöpf wirklich zukommende und zugleich eine von Gott abhängige, also eine von ihm gewirkte Tätigkeit ist, Gott macht, dass die Welt und die Menschen sich selber machen (Teilhard de Chardin).

 

 

Zurück zum Inhaltsverzeichnis Band 3