2. HAUPTABSCHNITT

Die geschaffene Wirklichkeit

I. TEIL

 Der Mensch

1.ABSCHNITT

Der Mensch. Einführung

1. Kapitel

 Der Mensch als Geschöpf

 

An dieser Stelle soll über den Menschen nur gehandelt werden, insofern er geschaffen wurde, also ein Geschöpf ist, und sündigte, und so seine Identität verlor, die menschliche Geschichte einleitete und der ganzen Zukunft das Gepräge gab. Es wird also nicht die Darstellung einer ganzheitlichen theologischen Anthropologie angestrebt werden. Diese soll im Anschluss an die Darstellung der Kirche geboten werden. Was im folgenden vom Menschen gesagt wird, bedeutet für die theologische Anthropologie eine Grundlegung. Der oberste Satz lautet: Der Mensch ist ein Geschöpf. Dies begreift wie bei jedem Geschöpf die Spannung von Abhängigkeit und Eigensein, von Freiheit und Gottes- und Gesellschaftsgebundenheit, von Liebe zu

161

 

Gott sowie Liebe zum Mitmenschen und zur Erde in sich. Wegen der dem Menschen immanenten Eigen-Wertigkeit und Eigentätigkeit können auch von ihm wie von jedem Geschöpf nicht-theologische Aussagen gemacht werden. Sie werden z.B. vorgelegt von der Philosophie, von der Medizin, von der Biologie, von den Sprachwissenschaften, von den Humanwissenschaften insgesamt, um nur die wichtigsten Forschungszweige zu nennen. In den theologischen Aussagen über den Menschen handelt es sich primär immer um sein Verhältnis zu Gott, also um das Heil. Vom Wesen des Menschen ist nur insoweit die Rede, als es für die Interpretation seines Verhältnisses zu Gott erforderlich ist. Da nämlich der Mensch in einem anderen Gottesbezug steht als die übrigen Geschöpfe, muss erklärt werden, wie diese dem Menschen spezifisch zukommende Bezogenheit zu verstehen und worin sie begründet ist.

Der Mensch ist nicht in dem gleichen Sinne von Gott geschaffen wie die Materie. Denn diese ist von Gott aus dem Nichts hervorgerufen worden. Die Materie wurde ohne jede nicht-göttliche Voraussetzung hervorgebracht. Der Mensch hingegen ist nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift nach seiner leiblichen Seite aus der schon vorhandenen Materie gebildet worden. Insofern trifft der Satz von der »Erschaffung aus dem Nichts« nicht mehr im vollen Sinne auf den Menschen zu.

162

    

Zurück zum Inhaltsverzeichnis Band 3