2. Die Vorsehung und die Sünde

a) Sünde und Leid

 

Man führt zur Erklärung des Bösen in der Welt, gewissermassen zu seiner Rechtfertigung, im allgemeinen folgendes an: Nicht wenige Übel, ja die meisten seien durch die Sünde der Menschen, durch ihren Hass, ihre Machtgier, ihre Vergnügungssucht veranlasst. Vielfach dienten sie auch der Strafe für die Sünden. Andere Übel wie Naturkatastrophen, etwa Erdbeben oder Überschwemmungen oder Missernten, an denen die Menschen keine oder wenigstens keine unmittelbare Schuld trifft, würden sich aus der Endlichkeit und Begrenztheit der Welt, aus dem Zusammenhang, der Geschöpfe miteinander, aus dem Dienste des einen gegenüber dem anderen, aus der unvermeidlichen Opferung eines Geschöpfes für ein anderes, aus der Evolution der Welt ergeben. Teilhard de Chardin hat die Übel einen Defekt der Evolution genannt.

Auf keinen Fall wolle Gott das Leid um seiner selbst willen, sondern so, dass er das Übel des einzelnen als Heil für das Ganze oder als Voraussetzung und Grund für eine höhere Daseinsstufe des einzelnen vom Übel betroffenen Geschöpfes selbst wollte.

Von einer traditionellen Erklärung des menschlichen Urstandes aus wird gesagt, dass Gott, wenn der

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Mensch nicht gesündigt hätte, durch eine besondere Einwirkung Leid und Tod vom Menschen ferne gehalten hätte. Auch auf die übrige Schöpfung wäre wohl ein Abglanz dieser Auszeichnung gefallen. Durch die Sünde sei dieser Zustand des menschlichen Lebens verlorengegangen. So sei es der Ursünde zuzuschreiben, dass sich die mit der Endlichkeit und Geschöpflichkeit der Welt gegebene Leidverfallenheit tatsächlich auswirkt. Tod und Leid wurden der Ausdruck der Gottesferne. Durch Christus seien die Menschen wieder mit Gott verbunden worden. Wenn das Leid, das Zeichen der Gottesferne, blieb, so wird man sagen dürfen: Im Leiden der Kirche und der Glieder der Kirche vollendet sich das Leiden Christi. Die Welt ist seit dem Tode Christi durch das Ereignis von Golgotha geprägt, so dass alle kommenden Geschlechter davon betroffen sind. Wie Christus in der Kirche zu seiner Erfüllung kommt, so kommt das Kreuz Christi zu seiner Erfüllung im Kreuze der Kirche. So bleibt das Kreuz in der Menschheit gegenwärtig bis zum Anbruch der un-verhüllten Herrlichkeit Christi.

 

 

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