5. Kapitel

 

Die Vorsehung und das Bittgebet

 

Eine besondere Erwähnung verdient in diesem Zusammenhang das Bittgebet. Zum Vorsehungsplan Gottes gehört es, dass er uns vieles bloss auf unsere Bitte hin gewährt, nicht als ob wir einen bestimmenden Einfluss auf seine Beschlüsse aus­üben könnten, sondern damit wir seine Oberherrlichkeit anerkennen und unser Vertrauen zu ihm betätigen. Das Bittgebet bedeutet nicht, dass wir Gott sagen müssen, wessen wir be­dürftig sind, oder dass wir durch unser Drängen ihn bewegen, zu tun, was er ohne es nicht getan hätte. Es kommt auch nicht auf die schönen und noch weniger auf die vielen Worte an. Im Bittgebet bekennen wir uns als Bedürftige und als Sünder, Gott aber als gebefähigen und gebebereiten Helfer. Wir öffnen uns seinen Gaben. Ohne die menschliche Bereitschaft will Gott nicht schenken, da er sich nicht aufdrängt. Wenn wir Gott bitten, so bedeutet dies die Art und Weise, wie wir uns an Gott wenden, dass er die Welt seiner Liebe dienstbar mache, dass alles unserem Heile diene, dass es in allem zum Einvernehmen zwischen

152

 

 

ihm und uns komme, dass alle Dinge und Ereignisse Boten und Werkzeuge seines Heilswirkens an uns werden und wir stärker in seine Liebe hineinwachsen, dass zwischen ihm und uns nicht das Verhältnis von naturhafter Ursache und naturhafter Wirkung, sondern das der lebendigen Beziehung von Ich und Du herrsche. Eine solche Hinwendung zu Gott ist nur möglich, wenn wir die Gewähr haben, dass Gott sich zu uns wendet, also vom Glauben an die göttliche Vorsehung her, in dem uns die Sicherheit wird, dass Gott der Vater ist, der nicht an unserer Not vorbeisieht. Dies ist uns nicht schon durch die Schöpfungsoffenbarung, sondern erst durch die Christusoffenbarung gesagt worden.

 

   

Zurück zum Inhaltsverzeichnis Band 3