6. Kapitel

Die Vorsehung in Verkündigung und Lehre der Kirche

 

Wenn in der Kirche der Glaube an die Vorsehung auch immer lebendig gewesen ist, so war er doch im Anfang weit von jenen Formulierungen entfernt, welche er in der späteren Zeit erhalten hat. Die Überzeugung der ältesten kirchlichen Theologen, dass Gott in seinem fortgesetzten Schöpfungsakt alles hervorbringt, was immer in der Wirklichkeit geschieht, dass er auch die menschlichen Freiheitshandlungen wirkt, machte spezielle Ausführungen über die göttliche Vorsehung überflüssig. Trotzdem besitzen wir aus der alten Kirche eine Reihe von Abhandlungen über die Vor-

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sehung: von Laktantius (gest. nach 317), von Salvian von Massilia (gest. 480), von Gregor von Nyssa (gest. um 408), von Eusebius von Cäsarea (gest. um 430), von Theodoret von Cyrus (gest. 458), von Chrysostomus (gest. 407). Augustinus zeigt in seinem Werk über den Gottesstaat, dass die Heimsuchungen des jüdischen Volkes und des Römischen Reiches der göttlichen Vorsehung unterworfen sind und ihrem Ziele dienen. Von den genannten Autoren wird vor allem das Problem erörtert, wie das Böse in der Welt, und zwar sowohl die Sünde als auch das Leid, mit dem Glauben an die göttliche Vorsehung in Einklang gebracht werden können. Es wird dabei ein doppelter Gedanke betont, einmal die Freiheit des Menschen, sodann die eschatologische Erfüllung.

Die Kirche hat gegenüber dualistischen oder fatalistischen Vorstellungen den Glauben an die göttliche Vorsehung mehrfach ausgesprochen, so etwa auf der Synode von Braga 561 (DS 459), ferner in dem Glaubensbekenntnis gegen die Waldenser (DS 790), gegen Wiclif (DS 1156, 1176f), am deutlichsten auf dem Ersten Vatikanischen Konzil. Hier sagt sie: »Alles, was Gott schuf, schützt und leitet er in seiner Vorsehung, kraftvoll von einem Ende zum anderen reichend und alles mit Milde ordnend (Weish 8, 1). Es liegt ja alles offen und bloss vor seinen Augen (Hebr 4, 13), auch das, was durch die freie Handlung des Geschöpfes geschehen wird (DS 3003).«

Wir haben schon einmal gesehen, dass die Erschaffung des Menschen das Kernstück des Schöpfungsberichtes darstellt. Wenn von der Erschaffung der Materie die Rede ist, so geschieht dies um des Menschen willen. Von der Erschaffung der Engel ist im Schöpfungsbericht nicht die Rede. Die Schrift bezeugt das Einwirken der Engel in die Heilsgeschichte. Nur auf

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diesem Wege erhalten wir Kenntnis von der Existenz von Engeln.

 

   

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