8. Die Eigenständigkeit des Geschöpfes

in unabänderlicher Abhängigkeit von Gott

 

Wenn die Theologie den Geschöpf Charakter analysiert, dann muss sie sowohl die Abhängigkeit als auch die Eigenständigkeit betonen und zwar nicht als nebeneinanderstehende und -herlaufende Eigentümlichkeiten, sondern als ineinandergreifende, sich gegenseitig durchdringende, tragende und in­teg­rierende Merkmale des Geschöpfseins. Das Geschöpf ist abhängig in Eigenständigkeit und eigenständig in Abhängigkeit.

Die schöpferische Tätigkeit Gottes bedeutet ja gerade, dass Gott das Geschöpf in seine Wirklichkeit, in seine Eigenständigkeit, in sein Eigensein, in seine Freiheit hinein entlässt und es dabei zugleich auf sich selbst (auf Gott) bezieht. Weil das Geschöpf in Relation zu Gott steht, können und müssen von ihm theologische Aussagen gemacht werden. Aussagen, in welchen sich die Beziehung zu Gott darstellt. Weil jedoch das Geschöpf eigenständig ist, müssen und können von ihm nicht-theo­lo­gi­sche Aussagen gemacht werden. Die Analyse des Schöpfungs­begriffes ist es demgemäss, welche zu der These führt, dass vom Geschöpf nicht-theologische Aussagen gemacht werden können und müssen (H. Volk; theologische Begründung der Profanwissenschaften und der Kultur in ihren vielen Zweigen). So ist es die Theologie selbst, welche durch die Entwicklung des Schöpfungsbegriffes nichttheologische Aussagen über das Geschöpf legitimiert,

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ja, welche nicht-theologische Aussagen über das Geschöpf geradezu fordert. Die Aussagen, welche in der nicht-theo­lo­gi­schen Dimension auf Grund der theologischen Analyse des Schöpfungsbegriffes gemacht werden können und müssen, sind die Voraussetzung für die wissenschaftliche, für die vorwissenschaftliche und für die tätige Bewältigung der Welt. Wie wir später ausführen werden, ist die Schöpfung dem Menschen als die von ihm zu erkennende und zu gestaltende Wirklichkeit anvertraut, so dass er selbst zum geschaffenen Schöpfer seiner Welt und seiner Umwelt wird. Der Schöpfungsbegriff rechtfertigt deshalb nicht nur theoretische Erkenntnisse und Aussagen, sondern auch das praktische Handeln an der Schöpfung. Dabei bleibt es dem Urteil des Menschen, des einzelnen oder einer durch Konsens verbundenen Gemeinschaft überantwortet, wie sie ihre Welt und ihre Umwelt am besten zu gestalten vermögen, ohne der Beliebigkeit zu verfallen und dadurch letztlich die Zerstörung zu provozieren.

   

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