3. Der dreieinige Gott als alleiniges und einiges Prinzip der Welterschaffung

 

Das Leben Gottes ist dialogisch. ja trialogisch. Denn es vollzieht sich im Liebesaustausch der drei göttlichen Personen. Es hat sich gezeigt (siehe Band l), dass Gott, welcher von Johannes die Liebe genannt wird (1 Joh 4, 8), sich selbst in liebendem Erkennen durchdringt und in einem Akt liebender Selbstbegreifung den ewigen Sohn als das adäquate Abbild seiner selbst hervorbringt und dass Vater und Sohn sich in gegenseitiger Liebeshingabe bejahen, der eine sich im anderen und so jeder sich selbst, und dass die gegenseitige Liebesbejahung der Heilige Geist ist als das Ja des trialogisch liebenden Gottes zu sich selbst. Dieser göttliche Lebensaustausch ist einer Anreicherung oder einer Vervollständigung weder fähig noch bedürftig. Er kann nicht wachsen und nicht abnehmen und ist doch unendliche Lebensfülle in unendlicher Dynamik.

Wenn Gott trotzdem noch anderes als sein eigenes Leben denkt und anderes als sich selbst schöpferisch bejaht, so kann dieses andere von ihm nur erdacht und gewollt sein als ein Widerschein seines eigenen dialogischen bzw. trialogischen Lebens und als endlicher Ausdruck seiner selbst. Wenn wir einen von Thomas von Aquin ausgesprochenen, schon oft erwähnten Gedanken wieder aufgreifen, so können wir sagen: Der »Vater« Gott als ursprungslose, aber Ursprung stiftende Hinwendung Gottes zu sich selbst teilt in diesem fruchtbaren Akt der Reflexion auf sich selbst, in welcher er den Sohn hervorbringt, eben diesem Sohne seinen ursprungslos, in freier Entscheidung gefassten Weltplan und Weltwillen mit. Dieser Weltplan und Weltwille wird vom Sohne aufgenommen und angenommen. In dem gegenseitigen »Ja« von Vater und

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Sohn, in diesem göttlichen »Wir«, welches der Heilige Geist ist, wird dieser Weltplan und Weltwille auch im Heiligen Geiste bejaht. So hat der Weltplan und der Weltwille Gottes eine innertrinitarische Struktur. Das schöpferische Planen und Handeln Gottes setzt das trinitarische Leben voraus. Dies bedeutet naturgemäss nicht, dass Vater, Sohn und Geist in einer Art Werkgemeinschaft die Welt planen und hervorbringen. In der alten Kirche wurde gegenüber dem Vorwurf der Vielgötterei einerseits und dem Vorwurf der Gottlosigkeit andererseits betont (mit grösstem Nachdruck und in breiter Ausführlichkeit von Augustinus), dass der trinitarische Gott als der eine Gott, d.h. als ein einziges Tätigkeitsprinzip die Welt hervorgebracht hat (DS 3814),

Diese These wird verständlicher werden, wenn wir das Verhältnis des einen göttlichen Wesens zu den drei göttlichen Personen ins Auge fassen. Schon jetzt sei betont, dass sie besonders durchsichtig wird von jener Theologie her, welche in Gott zuerst das Wesen in den Blick nimmt und die Personen gewissermassen als Aufgliederungen des einen göttlichen Wesens versteht. So wird es verständlich, dass Gott ein einziges Tätigkeitsprinzip ist, da zwar nur eine Person tätig sein kann, aber eben die drei göttlichen Personen durch ihr eines göttliches Wesen als durch ihr Tätigkeitsprinzip hindurch wirksam sind. Aber auch wenn man, wie es in der Theologie der griechischen Kirchenväter vielfach der Fall ist, die Einheit Gottes nicht so sehr im Wesen als vielmehr in der ersten göttlichen Person, im Vater verwurzelt sieht, ist der kirchliche Glaubenssatz verständlich. Denn auch in dieser Sicht ist es ein einziger Akt, den die drei göttlichen Personen setzen. Nur tritt dessen innere Gliederung in Erscheinung, insofern der eine und einzige Akt vom Vater dem Sohn und von Vater und Sohn dem Heiligen Geiste vermittelt wird.

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Der Glaubenssatz hindert auf keinen Fall die Annahme einer innertrinitarischen Struktur des einen göttlichen Schöpfungsaktes. Der Welt gegenüber tritt Gott in seinem Tun als ein einziges Prinzip hervor. Nach der göttlichen Seite hin erscheint jedoch dieser eine göttliche Akt in seiner innertrinitarischen Ordnung. Hier begegnet uns allerdings die unauflösliche Spannung zwischen der Einheit und der Dreipersonalität Gottes, der wir im vorausgehenden Band unsere Aufmerksamkeit gewidmet haben. Man darf auf keinen Fall die Einzigkeit Gottes so erklären, dass das Trinitarische nicht mehr in den Blick kommt. Denn dies würde dazu führen, dass man das trinitarische Element aus dem Schöpfungsglauben, d.h. aus der Wurzel des ganzen christlichen Denkens ausschalten kann, ohne dass dabei dem realistisch denkenden Glauben etwas verloren geht. Eine solche Abstraktion würde der Schrift nicht nur an irgendeiner Nebenstelle widersprechen, sondern das Fundament des ganzen christlichen Glaubens annagen. Die Lehre von der Einzigkeit des göttlichen Tuns hebt mit Recht die Schriftlehre von dem einen Gott als den in der Schrift bezeugten Monotheismus in das Licht. Dieses Licht darf jedoch keine so grelle Helligkeit annehmen, dass man darüber die dialogische Struktur des göttlichen Lebens aus dem Auge verliert.

Wenngleich Gott in voller Freiheit seinen Weltentschluss gefasst hat, so kann man doch nicht von einem Willkürentschluss sprechen. Der freie Gott ist kein Willkürgott. Er ist vielmehr gewissermassen an sein eigenes heiliges Wesen gebunden. Man muss also fragen, welches Motiv Gott gehabt haben mag, um den Weltentschluss zu fassen. Diese Frage lässt sich nur von dem Gesamtbilde aus beantworten, welches uns die Schrift von Gott bietet, Auch im Lichte dieses Gesamtbildes können wir indes nur zaghaft eine Antwort

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versuchen, weil wir in das innere Geheimnis Gottes nicht hineinzublicken vermögen. An der Wurzel der Welt steht daher nicht nur die vorhin aufgezeigte Aporetik. Es steht vielmehr an ihr das alle Aporetik überbrückende Geheimnis des freien göttlichen Willens, das Geheimnis Gottes selbst, das wir nicht zu durchdringen vermögen. Wir können, wenn wir eine Antwort versuchen, davon ausgehen, dass Gott im NT die Liebe genannt wird. (Nebenbei; Es würde nicht der Heiligen Schrift entsprechen, sondern das »griechische« Denken heraufbeschwören, wenn wir den Satz umkehren und sagen wollten: Die Liebe ist Gott. Denn in einem solchen Satze würde eine mächtige menschliche Erfahrung vergöttlicht). Es sieht wie eine Explikation dieses kurzen Satzes aus, wenn uns durch die Schriften des Alten und des Neuen Bundes hindurch immer wieder die Sorge und das Erbarmen Gottes gegenüber seiner Schöpfung bezeugt werden.

   

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