5.
Kapitel
Der Mensch als Gesprächspartner Gottes
So
ergibt sich, dass die göttliche Selbstentäusserung primär in der
Menschwerdung des göttlichen Logos sich
vollzieht. Wenn das innergöttliche Gespräch zwischen dem Vater und dem Sohn im
Heiligen Geist stattfindet, so bedeutet die Selbstentäusserung Gottes in der
Menschwerdung des ewigen Gottessohnes, dass eben dieses Gespräch sozusagen
analog verlängert wird, in das Nicht-göttliche hinein, so dass der Vater durch
den Sohn hindurch das Nicht-göttliche anspricht, und die nicht-göttliche
Wirklichkeit über den Sohn wiederum dem Vater sich zuwendet. Genauer: Jesus von
Nazareth ist schon in seiner
Empfängnis in die Relation des Sohnes (Logos)
zum Vater aufgenommen worden, und ist infolge dieser Teilnahme an der
Korrelation zwischen Vater und Sohn fähig zu dem Gespräch zwischen Vater und
Sohn.
Demgemäss
ist der Mensch Jesus Sinn und Mass alles Menschlichen. In dem Masse, in welchem
der Mensch hinter Jesus Christus zurückbleibt, bleibt er hinter dem
Menschlichen zurück. Je mehr er sich mit Jesus verbindet, um so mehr
verwirklicht er das Menschliche selbst. Der Mensch ist also jenes Geschöpf,
welches in der Verbundenheit mit Jesus Chri-
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stus
von Gott als Gesprächspartner gesucht und zum Gespräch mit ihm befähigt
worden ist und befähigt wird. Die ganze übrige Schöpfung kommt über den
Menschen und durch den Menschen in den Dialog mit Gott. Die Heilige Schrift hat
immer wieder das grosse Anliegen, die hohe Würde des Menschen (vgl. Ps 8), die
Sorge Gottes um den Menschen, die Aufgabe des Menschen, sich Gott zuzuwenden,
sein Versagen und das nie versagende Erbarmen Gottes, in welchem er den Menschen
immer wieder zu sich, zu Gott, und so zu dem eigenen menschlichen Wesen zurückruft,
zu seiner menschlichen Identität, darzustellen (0. Loretz, Schöpfung und
Mythos, Stuttgart 1968).
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