2. Kapitel
Das im Schöpfungsglauben implizierte Gottesbild
1. Verschiedenheit von Gott und Welt
Der
Schöpfungsglaube setzt die Verschiedenheit von Gott und Welt, Gottes Weltüberlegenheit,
seine Weltimmanenz und seine Welttranszendenz, seine Freiheit, seine Einzigkeit,
seine Allmacht, seine Weisheit, seine Andersartigkeit gegenüber der Welt
voraus. Die Erschaffung der Welt bedeutet ja die Hervorbringung der ganzen
nichtgöttlichen Wirklichkeit ohne irgendwelche nichtgötttiche Voraussetzung.
Gott ist der ganzheitliche Grund alles Nichtgöttlichen. Die nichtgöttliche
Wirklichkeit ist charakterisiert durch die ontologische Grund-Differenz. Denn
das endliche Seiende hat nur Sein und nimmt am Sein teil, ist aber nicht das
Sein. Das Sein im Seienden unterscheidet sich vom Seienden, wenn auch die Art
dieser Unterscheidung umstritten ist. Die volle Identität mit sich selbst
69
erreicht
das Sein nur im subsistierenden Sein, nicht im Seienden. Von dem subsistierenden
Sein ist jedes Nicht-Sein absolut ausgeschlossen. Das Seiende jedoch hat Sein
nur in der Teilnahme am subsistierenden Sein. Es hat Sein, insoweit ihm dies von
dem subsistierenden Sein verliehen wird. Wie das Sein des Seienden die
Selbsterschliessung Gottes und der Weg zu ihm ist, so ist es die Gabe Gottes an
das Seiende (Thomas von Aquin, Summa contra gentiles II 22; II 53; J. Lotz, Der
Mensch im Sein, 1967).