4. Kapitel

Grundsätzliches zum Verhältnis der biblischen zu der babylonischen (mythischen) Gottesvorstellung

 

 

1. Das Ziel der biblischen Texte

 

Schon vorher wurden einige biblische Stellen genannt, welche die Welt als Schöpfung und den einen Gott als deren alleinigen Schöpfer bezeugt haben. Dieses Zeugnis war ein Glaubenszeugnis. Dies schliesst in sich, dass die Erschaffung der Welt durch Gott ein Geheimnis ist. Ob der Vorgang der Welterschaffung auch als Vernunftwahrheit bezeichnet werden kann, soll später erläutert werden.

Wenn man die Texte genau betrachtet, kann man sie nicht als Berichte im eigentlichen Sinne anspre-

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chen. Sie sind vielmehr in die Darstellungsform von Zeugnissen, näherhin von Glaubenszeugnissen, einzuordnen. Denn sie haben ihren Grund in dem Glauben an den Bundesgott. Sie sind angestossen durch die düsteren Erfahrungen innerhalb des Bundes. Sie können selbstverständlich keine Erfahrung über die Weltentstehung darbieten. Dennoch sind sie weder Ideologien noch Spekulationen, sondern der Ausdruck eines realistischen Glaubens.

Man muss in der Genesis unterscheiden zwischen dem ersten und dem zweiten Bericht. Der erste erstreckt sich von Kapitel 1, 1 bis 2, 4a, der zweite von 2, 4b bis 20. Die beiden Texte unterscheiden sich auch inhaltlich. Der ältere Text von Gen 2, 4a trägt mehr anthropomorphe Züge. Ja, er spricht nur im Vorübergehen von der Erschaffung der Welt und kann daher streng genommen nicht als Schöpfungsbericht bezeichnet werden. Sein Interesse liegt darin, den Zustand der Erde zu schildern, bevor Gott eingreift und den Menschen mit bestimmten Aufträgen in das Paradies versetzt.

Der erste, der jüngere Text nimmt stillschweigend eine Korrektur der sehr anthropomorphen Sicht des Jahwisten vor und bezeugt, dass es nichts gibt, dem nicht Gott das Dasein verschafft hätte. Die beiden Texte erinnern in mannigfacher Weise an Schöpfungserzählungen aus der polytheistischen Umwelt.

 

 

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