b) Das Leid als Teilnahme am Leiden Christi
Das
Leid wirkt in der Zeit zwischen Auferstehung und Wiederkunft des Herrn als Möglichkeit,
am Kreuze Christi teilzunehmen, als Offenbarung des heiligen Gottes und des sündigen
Menschen, als Erinnerung an das Grauen der Vergangenheit, dem die Menschheit in
Christus entronnen ist, als Aufruf zur Anspannung aller Kräfte in der Gegenwart
und als Warnung vor den schrecklichen Möglichkeiten der Zukunft.
Was
insbesondere den ersten und vierten Punkt betrifft, so ist der Christ durch die
Taufe aus der Welt-und Ichverfangenheit befreit und in eine Lebenssphäre
versetzt worden, die das personale Selbst Christi ist
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(Röm
6, 2-12; Gal 2, 20). Christus ist der Daseinsgrund des Getauften als Getaufter.
Die Taufe schenkt ja einen neuen Anfang menschlicher Existenz innerhalb der
durch Empfängnis und Geburt beginnenden und weiterbleibenden Existenz. Aber das
alte Prinzip, die Welt- und Ichverlorenheit, ist auch noch am Werke. Das Leid
nun ist die von Gott an uns gerichtete Aufforderung und die von ihm geschaffene
Gelegenheit, uns von der noch verbliebenen Welt- und Ichsucht zu befreien. Es
soll ein Stück Ichhaftigkeit nach dem anderen abbrechen, bis im Todesleiden
alle Ich- und Weltverliebtheit gänzlich von uns wegbricht und unser Leben
umgewandelt wird zur reinen, ganz von der Liebe Gottes durchherrschten
Daseinsweise. So ist das Leid vor allem eine Erinnerung an die Zukunft.
Da
wird deutlich, dass das Leid innerlich überwunden wird, wenn man es in
opferbereiter Hingabe an Gott und die Menschen auf sich nimmt (Aktivität beim
Leiden), nicht aber, wenn man es willenlos an sich geschehen lässt wie der
Buddhist oder der Stoiker oder der auf das innerweltliche Paradies Hoffende oder
wenn man ihm zu entfliehen sucht. Es verliert so nichts von seiner Härte. Aber
es gewinnt einen neuen Sinn. Es kann getragen werden in der Kraft der Liebe. Der
Leidende gewinnt gewissermassen einen archimedischen Ort, von dem aus er Herr über
sein Leid zu bleiben vermag. In der Verbundenheit mit Christus, im Blick auf
dessen Kreuz in der Vergangenheit und auf die Herrlichkeit in der Zukunft vermag
er das Leid der Gegenwart zu bestehen. Im Glauben gewinnt er die Gewissheit,
dass das Schwergewicht des Lebens in der Zukunft jenseits des Todes liegt, deren
Urbild und Inbild im verklärten Herrn vor dem Blick des Gläubigen steht. Diese
Zukunft gibt ihm die rechten Massstäbe für die Wertung und Bewältigung des
Leides in der
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Zeit.
Er braucht sich nicht zur Verzweiflung treiben zu lassen.