3.
Auslegung des Paulustextes
a)
Allgemeines
Dieser
viel diskutierte und umstrittene Text zeigt, dass in der Mitte des paulinischen
Denkens nicht die Sünde, sondern die Erlösung durch Jesus Christus steht. Das
Wort von der Sünde ist eingebettet in den Dank für die Erlösung. Paulus
spricht von der Sünde, damit auf diesem dunklen Hintergrunde die Herrlichkeit
der göttlichen Gnade um so leuchtender aufstrahle. Sein Wort von der Sünde ist
nicht eingegeben von der Sündenseligkeit, sondern vom Jubel und vom Dank
dessen, den Gott dem Abgrunde der Sünde entrissen hat und der nun auf das
Grauen zurückschaut, dem er entkommen ist.
Man
darf auch hier an jene ätiologische Methode denken, welche für das Verständnis
der biblischen Urgeschichte (Gen 1-11) in Betracht gezogen werden muss. Befreit
zur wahren Freiheit, lebend in Christus, erlöst von den Unheilsmächten, erfüllt
von der Tiefe und der Höhe des göttlichen Erbarmens, fragt Paulus im gläubigen
Rückblick, vom Heiligen Geiste getrieben, wie es trotz der Güte Gottes zu der
Unheilssituation vor Christus kommen konnte. Römerbrief 5 ist die im Geiste
seines Christusglaubens unternommene Lösung. Je lichter dem Apostel die durch
Christus herbeigeführte Wende erscheint, um so dunkler muss ihm die
vorausgehende Periode unter heilsgeschichtlichem Aspekt vorkommen. Wie sehr er
von der Glaubenserfahrung des Christusheils erfüllt ist, drückt sich wohl am
lebendigsten im 8. Kapitel des Römerbriefes aus (Vers 38f). Der Ausgang des
Apostels ist also die Christuserfahrung. Was er von der Adamssünde und ihrer
Fortwirkung sagt, ist der Versuch, den Zustand der Menschen ohne Christus zu
definieren. Was der be-
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freienden Christuserfahrung vorausgeht, ist der Kontrasthintergrund des von ihm mit Inbrunst ergriffenen Neuen. Ihn erkennt der Apostel in der gläubigen Meditation über das Verhältnis seines jetzigen zu seinem früheren Leben.
Für
seine Argumentation ist es nicht von entscheidender Bedeutung, ob Adam als eine
symbolische oder eine reale Gestalt zu verstehen ist. Denn der Apostel
argumentiert von der ersten Sünde aus, die auf jeden Fall einmal stattgefunden
hat. Einmal hat ja die Sünde begonnen. Von diesem Anfang an zieht sie wie ein
unheimlicher, reissender StRöm durch die Geschichte hindurch.