3. ABSCHNITT
Zugang zum Trinitätsglauben
Wie der Blick von den Texten des Neuen Testamentes weg sich immer wieder in die Zukunft richtet, um dort die Endgestalt des kirchlichen Glaubens zu sehen, so richtet er sich auch zurück in die Vergangenheit, nämlich in die Vorgeschichte des Neuen Testamentes, in das Alte Testament und auch in die außerbiblische Welt, und prüft, ob sich dort Spuren dessen finden, was sich im Neuen Testament zeigt. Eine solche Rückschau legt sich nahe, weil wir im Alten Testament die Vorstufe und die Vorbereitung des Neuen Testamentes erkennen können und auch die nichtbiblische Geschichte durch Gott in Bewegung gesetzt wird und sich Gott in ihnen in mannigfacher Weise bezeugt. Gerade dabei zeigt sich, daß im Hintergrunde des alttestamentlichen Zeugnisses von Gott eine personale Metaphysik steht, welche sich von der bei den Griechen entwickelten sachhaften Metaphysik unterscheidet. Gott bekundet sich nämlich im Alten Testament als personhafter Gott. Er begnadet, er richtet, er handelt, er ruft, er bewegt sich auf den Menschen zu, er ist den Menschen nahe, er schenkt ihnen Heil, er vollbringt dies alles in absoluter Freiheit. Die Personhaftigkeit Gottes begreift, wie unsere frühere Analyse gezeigt hat, in sich, daß Gott in sich selbst in irgendeiner Weise dialogisch ist. Denn der Vollzug der Personhaftigkeit bzw. der Subjektivität des Seins läßt sich nur dialogisch verstehen. Dabei bleibt allerdings, solange das trinitarische Leben Gottes nicht erschlossen ist, unbekannt, in welcher Weise wir den dialogischen Charakter des absoluten Seins, das Gott ist, verstehen müs-
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sen. Man kann die Frage stellen, ob es in dem alttestamentlichen Bilde Gottes nur gedankliche oder ob es reale Unterschiede gibt. Ist das dialogische Element in Gott nur zu verstehen nach der Analogie eines menschlichen Selbstgespräches oder aber nach der Analogie des Ich-Du-Verhältnisses im geschaffenen Bereich?
Für die Beantwortung dieser Frage können uns auch die Trinitäten im nichtbiblischen Bereich gewisse, wenn auch nur geringe Hilfen leisten, sowohl die jüdisch-hellenistischen Triaden (Philo) als auch die Trias-Vorstellungen in den großen Weltreligionen. Bei den ersteren handelt es sich um den Versuch, durch Mittelwesen zwischen Gott und der Schöpfung die Erschaffung der Welt zu erklären, ohne Gott in das Weltgetriebe verwickeln zu müssen. Bei den letzteren handelt es sich im Grunde genommen immer um Dreigötterlehren, wobei die Götter selber zu verstehen sind als Personifikationen von Naturkräften und Naturereignissen.
Wenn wir auch durch die Analyse des Seinsbegriffes zu dem Ergebnis von dem dialogischen Charakter des absoluten Seins gelangen, so ist dennoch das Bestehen des trinitarischen Lebens Gottes für unsere natürlichen Erkenntniskräfte unerreichbar. Daß Gott trinitarisch ist, ist sowohl in seinem »Daß« wie in seinem »Wie« ein Mysterium. Der Trinitätsglaube bildet mit der Menschwerdung des Logos und der Selbstmitteilung Gottes in der Rechtfertigung und Vollendung den Kern des christlichen Glaubensgeheimnisses. Was die menschliche Vernunft dabei leisten kann, ist die Erarbeitung eines Verständnisses dessen, was hier gemeint ist, und die Ausschaltung von zwingenden Einsprüchen gegen die Dreipersonalität Gottes.
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