2. Kapitel

Gott als personales Sein (als Du)

 

Bei der Anwendung des Personbegriffes auf Gott muß man sowohl das Element des Selbstbesitzes in der Form der Rückwendung Gottes zu sich selbst (Thomas von Aquin) als auch das Moment der Offenheit, des Offenseins Gottes bedenken. Indem dem absoluten Sein das Offensein zukommt, ist es personal. In Gott ist das Personsein als absolutes Bewußtsein und absolute Selbstverfügungsmacht in höchster Vollendung real. Das Offensein Gottes kommt am stärksten zum Ausdruck im dreipersonalen göttlichen Lebensaustausch. Es zeigt sich indes auch in der Erschaffung, der Menschwerdung und der Vollendung.

Die Schrift schildert die Lebensform, welche wir mit dem Worte »Person« meinen, wenn sie von dem machtvollen Wirken Gottes zeugt, in welchem er Anfang und Ende setzt (Gen 1, 2; 2, 4; Mk 13, 33f; Hebr 1,2; 11, 3), wenn sie von seinem Erkennen und Lieben spricht, wenn sie ihm Entscheidung, Zorn, Gerechtigkeit, Erbarmen, Liebe und Treue, Verheißungen und

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Drohungen zuschreibt, wenn sie den göttlichen Willen als Selbstbehauptung darstellt. Sie negiert von ihm alle Bedürfnisse, etwa das Bedürfnis des Essens und Trinkens, das Schlafen und die Ermüdung (Ps 121 [120], 4; Dt-Jes 40. 28). Gerade deshalb kann er der stets hilfsbereite und zuverlässige Partner des von ihm erwählten Bundesvolkes sein. Gott erscheint in der Schrift nie als ein »Es«, sondern immer als ein Ich. Er stiftet den Bund mit Israel (Ex 19, 1-6). Seine Ichhaftigkeit tritt besonders hervor in den betont monotheistischen Selbstaussagen Gottes bei Dt-Jesajas 40-49. Auch die Wesensbestimmung des Menschen als eines Bildes Gottes (Gen 1,26f; 9,6) weist auf die Personalität Gottes hin. Gerade hier allerdings muß sich der alttestamentliche Schriftsteller anthropomorpher Redeweisen bedienen, um die Personalität Gottes gebührend zu unterstreichen. Wie wenig er jedoch dabei Gott nach Art eines Menschen denkt, zeigt wiederum das Bilderverbot (Dtn 4, 9-24). In die gleiche Richtung weist die Zurückhaltung in der Schilderung von Theophanien (Ex 24, 10f; Jes 6). Wir finden keinerlei Beschreibung dieses geheimnisvollen Vorganges. Die Andersartigkeit Gottes wird ebenso scharf betont wie seine Personhaftigkeit (Num 23, 19; 1 Sam 15, 29).

Wenn die Schrift die Personalität Gottes, ohne das Wort selbst zu gebrauchen, in der angegebenen Weise hervorhebt, so handelt es sich nicht um die erkenntnistheoretische Herausarbeitung einer göttlichen Seinsstruktur, sondern um die Schilderung des religiösethischen Charakters der göttlichen Personhaftigkeit. Gott steht im Gegensatz zur Sünde. Dadurch ist er deutlich von allen menschlichen Personen verschieden (Hos 11,9). Er ist das Urbild des menschlichen Handelns (Lev 19, 20; 20,8). Dies bleibt jedoch immer hinter Gottes Handeln zurück. Man könnte sagen: Das

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absolute Sein, das wir Gott nennen, ist das Du, das den Menschen anspricht, mit unbedingter Geltung einfordert und von ihm angesprochen sein will. In diesem Sinn ist Gott die Liebe, das Dasein für alle anderen (siehe H. R. Schlette, Der Begriff der Personifikation in religionsphilosophischer und theologischer Sicht, in: Münch. Theol. Ztschr. 16 [1965] 241-252).

Diese Art, von Gott als Person zu sprechen, durchzieht die ganze Heilige Schrift. Im Neuen Testament wird sie durch das Kommen Christi auf ihren Höhepunkt geführt.

 

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