b) Im NT

im Neuen Testament begegnet uns der gleiche existentielle Aufruf in Paulinischen Texten, nämlich im Römerbrief (1,18-28) und in den in der Apostelgeschichte dem Paulus zugeschriebenen Reden zu Lystra (Apg 14,14-18) sowie auf dem Areopag in Athen (Apg 17,22-30). Alle diese Texte sind weit davon entfernt, blosse Belehrungen zu sein. Sie sind vielmehr Warnungen, Aufrufe und Appelle, den in der Welt und dem Weltgeschehen, in der Geistigkeit des Menschen und in dem Fortgang der Geschichte handelnden und sich zeigenden Gott, seine Gnade und sein Gericht, zu erkennen.

Paulus steht in der Tradition Israels, wenn er im Schreiben an die Römer erklärt, dass der Götzendienst und die Unkenntnis Gottes unentschuldbar sind (Röm 1,18-28). Denn was von Gott erkennbar ist, das ist ihnen offenbar (Röm 1,19). Gott hat es ihnen geoffenbart. Aber sie wollten einen Gott nach ihrem Herzen und vertauschten daher den wahren Gott mit den Götzen (Röm 1,25).

Diese Texte zielen demgemäss darauf, den Menschen durch den Hinweis auf die Welt als Schöpfung zu sich selbst, nämlich zum wahren und echten Selbstbewusstsein, zum eigentlichen Selbstverständnis zu rufen, welches ohne Gottesbewusstsein und Gottesverständnis nicht möglich ist.

Im Mittelalter war man überzeugt, dass die Natur ein Buch ist, in welchem die Handschrift Gottes derjenige zu lesen vermag, dem der Glaube die Augen öffnet und reinigt (z. B. Bonaventura).

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