a) Gott und Welt

 

Zunächst soll das Verhältnis von Gott und Welt erörtert werden. Man muss davon ausgehen, dass der Glaube die Welt als Schöpfung Gottes versteht. Der Schöpfungsgedanke schliesst in sich sowohl die Abhängigkeit wie die Eigenwirklichkeit und Eigentätigkeit des Geschöpfes. Beide Elemente gehören untrennbar zusammen. Der Mensch kann jedoch eine Trennung derart vornehmen, dass er die Abhängigkeit von Gott nicht mehr sieht und nur noch die Eigenständigkeit der Welt bejaht. Zum ersten Mal wurde diese Weltsicht mit allen ihren Folgen von dem englischen Philosophen und Staatsmann Francis Bacon (gest. 1626) dargestellt und propagiert. Nur das Experiment und der menschliche Verstand führen nach ihm zur richtigen Welterkenntnis (siehe Bd. 3: Gott als Schöpfer der Welt).

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Später hat R. Descartes (gest. 1650) nur noch jene Wirklichkeit anerkannt, welche messbar und wägbar ist, und die entscheidende Kraft des Menschen, nämlich die Vernunft. Bacon hat im Verfolg seiner Grundanschauung als Erster den Satz formuliert: Wissen ist Macht. Mit Hilfe der richtigen wissenschaftlichen Methode können nach ihm alle Probleme gelöst werden. Die im Wissen ruhende Macht dient dem Fortschritt. Dieser besteht letztlich darin, dass anstelle des im Mittelalter erstrebten Reiches Gottes das Reich des Menschen geschaffen wird. Dies wird eine glückselige Zeit mit sich bringen. Das ist die von Bacon in der Zeit des Aufbruchs der neuen Naturwissenschaft gegebene Verheissung.

Die heutige Naturwissenschaft ist sich infolge der durch die atomare Forschung erzielten Ergebnisse bewusst geworden, dass man das Verhältnis von Objekt und Subjekt nicht als mechanisches, trennbares Gegenüber, sondern als ein Ineinander und Miteinander verstehen muss, in welchem das Subjekt eine entscheidende Rolle spielt. Man kann vielleicht mit einer gewissen Überbetonung sagen, das heutige Weltbild sei nur ein Bild von menschlichen Beziehungen zur Natur. Es bleibt jedoch dabei, dass der Mensch durch die Fortschritte in der Naturerkenntnis von den Naturmächten zu sich selbst und zur Herrschaft über die Erde befreit wurde. Dies schliesst indes nach Friedrich von Weizsäcker eine verhängnisvolle Gefahr in sich. Sie hat nach ihm ihren tiefsten Grund darin, dass sich die vom Menschen beherrschte Natur und deren Beherrschung von ihrem Ursprung, d. h. von dem Charakter der Welt als Schöpfung gelöst haben.

Weizsäcker ist der Überzeugung, dass nicht die Trennung der Welt von Gott dem menschlichen Leben dient, sondern die Unterordnung der Welt und der

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Weltherrschaft unter Gott. Er hebt hervor, dass sich die Kirche angesichts der heutigen Gefahr eines neuen Krieges und im Interesse des Umweltschutzes ihrer Verkündigungsaufgabe hinsichtlich des Charakters der Welt als einer Schöpfung in besonderer Weise bewusst bleiben muss. In ihre Verkündigung gehört auch hinein die Eigenständigkeit der Welt. Diese ist jedoch nicht eine autonome Grösse, sondern eine Gott gegenüber zu verantwortende Gabe. Sie kann vom Menschen infolge seiner Besitzgier, seines Machtbewusstseins, seines Hasses missbraucht und zum Unheil eingesetzt werden. Die vollständige, extreme, den Atheismus fordernde Säkularisierung, der Säkularismus, hat die Folge, dass es nur noch Welt gibt, dass die Welt ein und alles ist, dass daher für Gott kein Lebensraum mehr bleibt. Es fragt sich, ob so genug Lebensraum bliebe für den Menschen.

Mancher Glaube an den sich dem Menschen mitteilenden Gott zerbricht an den Erfahrungen von Unfreiheit, Leid und Sinnlosigkeit. Diese drei zwingen jedoch nicht zur Auflehnung oder Gleichgültigkeit oder zum Abfall von Gott.  

 

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