c) Gott und die Freiheit

Verwandt mit der schon besprochenen Frage nach dem Verhältnis Gottes zur Welt ist die Frage nach dem

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Verhältnis Gottes zur menschlichen Freiheit. Der Einwand des Atheismus lautet, dass es nur die Alternative gebe, entweder kein Gott und der freie Mensch oder die Existenz Gottes und die Unfreiheit des Menschen. Die Alternative trifft jedoch nicht zu. So sehr der christliche Glaube die Herrschaft Gottes des Schöpfers betont, ebenso nachdrücklich betont er die Freiheit des Menschen. Gott, der absolut Freie, schafft den freien Menschen, und zwar nicht derart, dass er ihn einmal durch geschaffene Zweitursachen hervorbringt und sich dann in die Rolle des Zuschauers zurückzieht (Deismus), sondern so, dass er ihn in einem ununterbrochenen schöpferischen Akt ohne Pause ständig in das Dasein setzt und zwar eben als einen Freien. Es bleibt dabei die unüberwindliche Antinomie zwischen göttlicher Allwirksamkeit und menschlicher Freiheit bestehen. Sie kann weder theologisch noch philosophisch völlig gelöst werden.

Unter theologischem Aspekt steht jedoch fest, dass der von Gott geschaffene Mensch ein Freier ist. Die Methode der Dialektik hilft zu der Einsicht, dass Gottes Allwirksamkeit und menschliche Freiheit zueinander nicht in Widerspruch stehen, sondern in einem spannungsreichen Gegensatz verbunden sind. Die Gegensätze, die durch die Allwirksamkeit Gottes und die Freiheit des Menschen bestimmt sind, sind nach dem die gesamte Wirklichkeit beherrschenden Gesetz der Dialektik komplementär. Jesus Christus hat den Menschen von den Mächten und Gewalten des Schicksals und der Sünde, der Selbstsucht, der Grausamkeit, der Ausbeutungslust befreit. Die zur Freiheit befreiten Menschen (Gal 5,1) sind Freie und Erben Gottes. Ja, das Christentum bedeutet eine Befreiung von der Macht, der alles unterworfen ist, von der Macht der Vergänglichkeit und des Todes (1 Kor 15,55). Selbst

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die im irdischen Sinn zum Tod Verurteilten, die Gequälten und Erniedrigten, die Gefolterten und Gemarterten, können sich aufgrund der durch Christus geschenkten Freiheit als Freie wissen. Selbst der Tod ist für sie nicht einfach ein Widerfahrnis, sondern im Glauben an Christus eine Begegnung mit Gott.

Man kann die Frage umkehren und prüfen, was es für Folgen hat, wenn die Freiheit des Menschen geleugnet wird. Gerade Sartre, der unentwegte Verkünder der menschlichen Freiheit erklärt, dass das Reich der unbegrenzten Freiheit das Reich der Henker und Schlächter sein wird.

Die wahre Freiheit ist verschieden von jener Willkür, in welcher der Mensch tut, was er will. Die wahre Freiheit bindet ihn an seine eigene Selbstentfaltung, indem sie ihn bindet an sein echtes Selbstverständnis, an die Liebe zum Nächsten und an die Liebe zu Gott.

Wenn im Ablauf der Geschichte die Kirche, welche beauftragt ist, die Freiheit zu verkündigen, selbst vielfach einen Beitrag zur Unfreiheit (Ketzerverbrennung, Hexenwahn) geleistet hat, so stand das im Widerspruch zu dem von ihr vertretenen und verkündeten Christusglauben. Es bedurfte offenbar einer langen Selbstbesinnung, bis sie zu der praktischen Erkenntnis kam, dass das Heil des Menschen nur im freien Glauben an Christus ergriffen werden kann. Dies wurde im Zweiten Vatikanischen Konzil mit grosser Klarheit und Bestimmtheit verkündet (Konstitution »Gaudium et spes« sowie die Erklärung zur Religionsfreiheit).

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