b)
Gott und das Leid
In
der Mitte dieser drei steht wohl das Leid. Es hemmt die Freiheit und wirft die
Frage nach dem Sinn des Lebens als eines Ganzen und seiner einzelnen Phasen auf.
Eine vollbefriedigende Lösung lässt sich innerhalb unserer Geschichte nicht
geben. Man kann jedoch zeigen, dass auch dieses Übel nicht zur Ablehnung Gottes
nötigt. Ausführlich soll in späteren Bänden zu dem Problem Stellung genommen
werden. In unserem Zusammenhang sei darauf verwiesen, dass nach Luther sich Gott
gerade im Kreuzestode Christi,
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wenn
auch in tiefster Verborgenheit, am deutlichsten gezeigt hat. Denn in dem Tode
seines Sohnes ist seine Liebe und Treue zu den Menschen am wirksamsten auf die
Menschen zugegangen. Das Leid Ist ein Anruf Gottes, dass wir uns nicht an die
Geschöpfe verlieren, ohne dass wir in Gleichgültigkeit die Liebe oder die
Sorge für die Welt und die Menschen versäumen, dass wir vielmehr unsere letzte
Hoffnung der absoluten Zukunft zuwenden.
Es
sei noch darauf hingewiesen, dass man, wenn man vom Leid spricht, nicht nur an
dessen entsetzliche Aufgipfelungen, wie etwa in den Konzentrationslagern oder in
den Bombenabwürfen, denken darf, sondern auch an das lebens- oder jahrelange
Dauerleid etwa einer unglücklichen Ehe oder eines verhassten Berufes oder eines
völlig unerfüllten Lebens oder ständiger Überarbeitung oder anderer
derartiger Bedrückungen.
Mit
solchen negativen Erfahrungen verbindet sich die Frage nach dem Sinn oder der
teilweisen oder totalen Sinnlosigkeit des Lebens. Wenn es den Gott gibt, der
sich dem Menschen zuwendet und in seiner Verborgenheit zeigt, kann es keine
totale Sinnlosigkeit geben, wenngleich der Lebenssinn sich erst im Tode oder
nach dem Tode erschliesst. Dem Glaubenden ist jedoch auch während seines Lebens
dessen Gesamtsinn und auch die nicht verstandene, in das Ganze eingebettete
Sinnhaftigkeit der Einzelvorgänge bewusst, da er alles in der Hoffnung auf
letzte Erfüllung zu ertragen berufen ist.