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Friedrich Nietzsche
Die
Ablehnung der Existenz Gottes erfuhr in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
eine Radikalisierung durch Friedrich Wilhelm Nietzsche (gest. 1900). Er zog aus
den vorausgehenden geistigen Bewegungen die letzten Konsequenzen. Während man
bis dahin, von dem Marxismus abgesehen, dem Christentum oder vielmehr dem
unbestimmten, unklaren religiösen Gefühl, dass es etwas Höheres gebe, noch
eine gewisse moralische Bedeutung zuschrieb, lehnt Nietzsche den Glauben an den
lebendigen Gott mit Entschiedenheit ab, weil das moderne Lebens-, Wert- und
Weltgefühl gegen ihn stehe. Gott bedeute eine Einengung des Menschen, daher dürfe
er nicht existieren. Er gehe gegen den Geschmack. Nietzsche verkündet, dass
Gott tot sei. Dieses Wort meint in einer schwer analysierbaren Weise, dass Gott
einmal nicht tot war. Nietzsche behauptet ja: Wir haben ihn getötet. Er ist der
Überzeugung, dass mit dem Tode Gottes für den Menschen wieder alle Horizonte
frei sind, dass mit ihm eine völlig neue Epoche der Menschheit einsetze. Er
verhöhnt die Spiessbürger, die dies nicht merken.
An
Nietzsche wird deutlich, dass der Atheismus nicht das Ergebnis intellektueller
Überlegungen, sondern eine Entscheidung ist. Von Nietzsche stammt das Wort: »Wie
hielte ich es aus, kein Gott zu sein, wenn
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es einen gäbe?« Oder das andere: »Der Gott, der alles sieht, der musste sterben.« Wenn man fragt, wieso Gott sterben könne, so ist zu erwidern, dass der Gott, der sterben kann, offensichtlich nur als Bewusstseinsfunktion verstanden wird. Dieser Atheismus hat seine Wurzel im Lebens- und Wertgefühl des modernen Menschen, Nietzsche erkennt die Folgen des Todes Gottes. In seinem Gedicht »Winterlandschaft« erklärt er: »Wer das verlor, was du verlorst, macht nirgends Halt. — Jetzt verstecke doch, du Narr, dein blindes Herz in Eis und Ton. — Er ist zur wüsten Wanderschaft verdammt.« Um der totalen Befreiung des Menschen willen und der dadurch bedingten Grösse zum Übermenschen hin, nimmt Nietzsche diese zutiefst tragischen, ja zerstörerischen Folgen auf sich.
Es
verdient Beachtung, dass es nach E. Biser Nietzsche bei seinen Angriffen auf
Religion und Christentum weniger um die religiöse Wirklichkeit zu tun ist als
vielmehr um die mit Ihr in eins gesetzte idealistische Denkform. Diese erscheine
Ihm als verhängnisvolle Entzweiung mit dem unmittelbaren Leben. Deshalb sei
sein Wort vom Tode Gottes nicht Ausdruck der Gottesleugnung, sondern Leitwart für
die Destruktion der seit Plato und Augustinus herrschenden Denkweise. Diesem
Ziele diene sein Entwurf einer antichristlichen Herrenmoral. Ähnlich urteilt B.
Welte.