28. ABSCHNITT

Einteilung der Dogmen  

Wir können die Dogmen unter dem Gesichtspunkt der Gewichtigkeit ihres Inhaltes und nach ihrem Verhältnis zur menschlichen Vernunft einteilen.

Die wichtigste Einteilung ist die zuerst genannte. Es sind zwar alle Dogmen durch die Autorität der Kirche verbürgt. Sie sind formal in ihrem Wahrheitswert alle in gleicher Weise gesichert. Dennoch hat das eine für das Ganze der Offenbarung und des Heiles eine grössere Tragweite als das andere, ähnlich wie für einen Organismus das eine Glied wichtiger ist als das andere, wenngleich jedes wichtig ist. So steht die Glaubenswahrheit von Christus in der Mitte der Gesamtoffenbarung. Die Proklamation der durch Christus erschlossenen absoluten Zukunft ist das Entscheidende. Es gibt zwar in der göttlichen Selbsterschliessung kein Moment, das für das menschliche Heil bedeutungslos wäre. Gott hat jedoch, wie es seiner schöpferischen Liebe entspricht, in verschwenderischer Weise für das Heil Sorge getragen. Man darf daher unterscheiden zwischen solchen Offenbarungswahrheiten, deren gläubige Bejahung heilsnotwendig ist, und solchen, deren Bejahung im Prinzip für das Heil genügt (dogmata fundamentalia generaiia und dogmata specialia). Sowohl für die Theologie als auch für die Spiritualität hat eine Verschiebung im Ordnungsgefüge der Dogmen nachteilige Folgen. Dieser Vorgang kann bis dahin sich auswirken, dass bei aller Treue zu jedem einzelnen Dogma ein häretisches Klima entsteht. Das Zweite Vatikanische Konzil spricht einmal von einer Hierarchie der Wahrheiten (siehe die Konstitution »Lu-

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men Gentium«). Dies ist Aussage und Mahnung zugleich.

Was die Unterscheidung hinsichtlich des Verhältnisses zur Vernunft betrifft, so gibt es Geheimnisse im strengen Sinn und »gemischte« Geheimnisse. Die ersten können von der menschlichen Vernunft in keiner Weise in eigener Anstrengung erkannt werden. Die anderen, deren Inhalt auch von der Vernunft erkannt werden kann, unterscheiden sich von einer blossen Vernunftwahrheit dadurch, dass ihr Inhalt im Zusammenhang mit der Offenbarung steht, dadurch eine neue Perspektive erhält und vom christusgläubigen Menschen unter einem anderen formalen Gesichtspunkt bejaht wird als eine reine Vernunftwahrheit.

 

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