c)
Dogma und »Modernismus«
Zu
Beginn unseres Jahrhunderts wollte, wie früher schon einmal kurz gestreift
wurde, der sog. Modernismus diese Problematik dadurch lösen, dass er die Dogmen
nur als Symbole, sozusagen als reine Chiffren auffasste. Man braucht den
Charakter des Dogmas als eines Symbols der göttlichen Wahrheit nicht in jeder
Hinsicht auszuschliessen. Wir wissen, dass es im Mittelalter geradezu eine
Symboltheologie gegeben hat. Sie begegnet uns bei einigen Frühscholastikern und
bei Bonaventura. Eine solche Kennzeichnung kann vielmehr, recht verstanden, den
analogen Charakter des Dogmas verständlicher machen. Im Modernismus wurde
jodoch der positive Inhalt eines Dogmas verneint.
d)
Dogma und Sprachphilosophie
Von
der Überlegung aus, dass das Symbol seiner immanenten Sinnhaftigkeit gemäss
den Zusammenhang von Geist und Gestalt besagt, lässt sich mit der heuti-
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gen
Sprachphilosophie zwischen dem dem Symbol selber eigenen Sinn und der von ihm
gemeinten Bedeutung unterscheiden. Das menschliche Wort ist ein Symbol, insofern
der Mensch in ihm als Symbol geistige Inhalte ausdrückt und mitteilt. Es bleibt
als Versinnlichung einer geistigen Einsicht immer und wesensnotwendig hinter
dieser zurück. Diese Differenz kann bald geringer, bald grösser sein. Es wäre
jedoch eine Verkennung der Symbolfunktion des Wortes, wenn man nur diese selbst
sähe, und es nicht als unvollkommenen Ausdruck des nie vollkommen Ausdrückbaren
betrachtete. Eine solche Verabsolutierung ist die Mutter der Ideologie. Es wäre
auf der anderen Seite eine Entleerung des Symbols, wenn man in ihm nur ein
Chiffre für ein völlig Unbekanntes und keinerlei konkrete Aussage sähe.
Welche Symbole, d. h. welche Worte als Ausdrucksformen und Mitteilungsweisen gewählt
werden, hängt von der Freiheit des konkreten Menschen ab. Dabei kann es
gelingen, dass das gewählte Symbol (Wort) in einer besonders transparenten
Kraft den geistlichen Inhalt darstellt und mitteilt, ohne ihm je adäquat sein
zu können.
Es
schleicht sich aber in den Ausdruck dar geistigen Einsicht eine starke
menschliche Unvollkommenheit ein: Sprachliches Unvermögen, Einseitigkeit,
Bequemlichkeit, Rechthaberei, philosophische oder theologische oder andere
Liebhabereien usw. Diese Überlegungen gewinnen für das Dogma vom
Christusereignis ihre spezifische Tragweite. Zunächst muss man sagen, dass das
Dogma von dem menschgewordenen Logos, von seinem Heilstun, von seiner Heilsrede
der gültige Ausdruck des unaussprechlichen, hintergründigen Geheimnisses ist,
das wir Gott nennen, dass aber auch in diese Aussage die vorhin genannten
Unvollkommenheiten eingehen. Dies führt nicht zu
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einem
formellen Irrtum im Dogma. Das Dogma ist vielmehr ein Schutz gegen den Irrtum
und die allem Menschlichen anhaftende Oberflächlichkeit. Als menschlicher
Ausdruck der göttlichen Wahrheit ist es jedoch der Kritik und dem Gestaltwandel
unterworfen, ohne dass das Ausgesagte dadurch in den Strudel geschichtlichen
Werdens hineingerissen wird (vgl. L. Be-jerholm - G. Hornig, Wort und Handlung,
Gütersloh 1966. J. Spielt, Glaube und Dogma, Stimmen der Zeit 92, 1967,
182-190. R. Guardini, Vom Leben des Glaubens, Mainz 1963).