g) Dogma und Dynamik

 

Die Dogmatisierung ist also kein Hemmschuh für die Dynamik des Christentums. Sie löst jeweils viel-

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mehr neue und oft intensive Bewegungen aus. Sie sichert zwar den Weitergang, aber nicht in einem falschen Sekuritätsbedürfnis, nicht für eine sorglose Sicherheit, sondern in der Auslösung neuer Anstrengungen auf das am Horizont der Zukunft immer wieder auftauchende Ziel. Vieles, was vor der Dogmatisierung in dem angegebenen mariologischen Beispiel selbstverständlich war, wurde aus der falschen Ruhe aufgescheucht und in eine noch lange nicht zum Stillstand kommende Bewegung gebracht.

Man darf auch nicht übersehen, dass in der Entstehung und demgemäss auch im Bestand des Dogmas der Heilige Geist wirksam ist. Er eröffnet ja das Verständnis Jesu Christi und schafft den Zugang zu ihm. So bringt er die Begegnung des Glaubenden mit Jesus Christus zustande. Auch das Dogma ist ein Medium für den Heiligen Geist, jene Funktion zu erfüllen, die Christus von ihm vorausgesagt hat. Die Kirche steht demgemäss, wenn sie ein Dogma aufstellt und wenn sie das Dogma hütet, im Dienste des Heiligen Geistes. Sie kann nicht seine Stelle vertreten. Wer dies tun wollte, der würde an die Stelle der Offenbarung seine eigene Ideologie setzen. Derartiges unternahmen z.B. Montanus im christlichen Altertum und manche Freunde Joachims von Fiore im Mittelalter. Das Dogma ist daher nicht nur kein Ort der Beharrung und des Stillstandes, sondern ein Antrieb des Weitergehens, weil der Heilige Geist im Dogma immer wieder neue Impulse verleiht. Recht verstanden, bewahrt das Dogma geradezu vor einem unfruchtbaren oder reaktionären Traditionalismus. Es bewahrt allerdings auch vor einem hemmungslosen Fortschritt, welcher den Glauben auflöst statt ihn vorwärts zu bringen.

 

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