5. Kapitel

Dogma als reflektierter Glaubensinhalt

 

Augustinus erklärt einmal: »Vieles in der Tat, was zum katholischen Glauben gehört, wird, wenn es von der leidenschaftlichen Ruhelosigkeit der Häretiker angefochten wird, zum Zwecke der Verteidigung sorgsa-

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mer gewogen, klarer erfasst und nachdrücklicher verkündet und so wird eine vom Gegner aufgeführte Frage eine Gelegenheit zum Lernen« (Sermo 51,11).

Das Dogma als die Selbstdarstellung im Bekenntnis zu Christus sagt aus, was alle unreflektiert und unbewusst oder auch bewusst immer schon bejaht haben. Im Übergang vom unreflektierten zum bewussten Glauben entsteht das Dogma. Die Träger des kirchlichen Lehramtes zwingen in der Dogmatisierung niemandem eine Anschauung auf, die mehr oder weniger bereitwillig oder widerwillig hingenommen wird, sondern bekennen als die von Christus bestellten Sprecher des Gottesvolkes das, was alle erfüllt, auch wenn es noch nicht begrifflich ausgesprochen worden ist. Sie stehen nicht als Befehlende dem Volke gegenüber, sondern sprechen als Glieder, welche das Volk Gottes repräsentieren, innerhalb der Gemeinschaft den Glauben der Gemeinschaft aus. So konstituiert sich im Dogma die Kirche immer wieder von neuem als Volk Gottes und als Leib Christi. In dem Christusbekenntnis erhebt sich die immer bestehende Kirche zur Höhe des Ereignisses und des Aktes. Zugleich bindet sie sich in einer bestimmten Epoche neu an Christus. Das Dogma ist einerseits Ausdruck ihrer selbst und gestaltet andererseits, sich gewissermassen rückwärtswendend, vorwärtsblickend für immer die Kirche durch ein bisher zwar vorhandenes, aber erst im Dogma deutlich sichtbar hervortretendes Element. Das Dogma erscheint so als das Ergebnis einer geschichtlichen Realdialektik im Glaubensvollzug. Im Dogma vollzieht die Kirche als Glaubensgemeinschaft gegenüber Bedrohungen und Gefährdungen unter der Einwirkung des Heiligen Geistes ihren Christusglauben in einer neuen Formulierung.

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