ii)
Dietrich Bonhoeffer
Was
D. Bonhoeffer betrifft, so ist es nicht leicht, ihn eindeutig zu erklären. Er
vertritt den Satz: »Gott ist mitten in unserem Leben jenseitig«. Es liegt ihm
am Herzen, die Mündigkeit des Menschen und die Immanenz Gottes in der Welt zu
betonen. Er lehnt jedoch die Transzendenz Gottes nicht ab. Er wertet die in der
Renaissance beginnende Bewegung in der Richtung auf die menschliche Autonomie in
Wissenschaft, Politik, Gesellschaft, Kunst, aber auch in Ethik und Religion
positiv. Der mündige Mensch ist nach ihm der weltliche Mensch, aber nicht ohne
weiteres der gottlose. In einer gläubigen Dialektik schreibt er vor seinem
Martyrertod im Gefängnis: »So führt uns unser Mündigwerden zu einer
wahrhaften Erkenntnis unserer Lage vor Gott. Gott gibt uns zu wissen, dass wir
leben müssen als solche, die mit dem Leben ohne Gott fertig werden. Der Gott,
der mit uns ist, ist der Gott, der uns verlässt« (vgl. Mk 15,4). Bonhoeffer
lehrt hier nicht die absolute, gottlose Autonomie, unterstreicht aber mit Recht
die relative Selbständigkeit des Menschen.