d) Die orthodoxe Vorstellung vom Dogma

Für die orthodoxe Kirche hat das Dogma eine doppelte Quelle. Der Glaube gründet sich auf die Glaubensaussagen, die zum Teil durch die Heilige Schrift, zum Teil durch die mündliche Tradition von den Aposteln her überliefert und von den Synoden und den heiligen Vätern ausgelegt worden sind. Die Anerkennung der geoffenbarten Glaubenswahrheit des Dogmas ist für die Gläubigen heilsnotwendig. Inbegriff des Dogmas und zugleich Kompendium der ganzen Lehre der Heiligen Schrift ist das Nicaena-Konstantinopolitanum. Das von den sieben alten ökumenischen Konzilien festgelegte Dogma gilt als abgeschlossen. Das Dogma hat in dieser Vorstellung weniger lehrhafte als vielmehr lebensordnende Funktion. Es durchherrscht das gesamte Dasein in Kultus und Frömmigkeit. Es legt sich aus in der Kirche, ihren Ikonen, ihren Riten und ihren Heiligenlegenden. Als Zeugnis vom fleischgewordenen Logos bewirkt es die Vergottung des Menschen, die Heiligung der Kreatur, die Verklärung des Kosmos. Die ganze Liturgie ist gebetetes Dogma. Umgekehrt ist die Theologie Doxologie.

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