f)
Das Dogma in seiner Fruchtbarkeit
Mit
der Dogmatisierung ist das Gespräch über den dogmatisierten Inhalt keineswegs
beendet. Auch wenn er unwandelbar ist, und zwar infolge seiner göttlichen
Herkunft, so hat die Dogmatisierung zwar die Folge, dass das, was einmal als
wahr und endgültig erklärt worden ist, nicht in einer späteren Zeit als
unwahr bezeichnet werden kann. Ein neues Dogma gibt indes
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jeweils
Anlass zu einem tieferen und umfassenderen Verständnis der im Dogma unmittelbar
dargestellten Wirklichkeit und des gesamten, im Umkreis des Dogmas liegenden
Glaubensfeldes, zu einer neuen Anstrengung für das Verständnis der gesamten
Glaubensgrundlagen, der Schrift, der Überlieferung, des Verhältnisses von
Schrift und Überlieferung zur Kirche. So hat z. B. das Dogma von der leiblichen
Verklärung Marias die Theologie und die kirchliche Verkündigung dahin geführt,
dass das Verhältnis der Auferweckung von den Toten, die Hauptverheissung des
Neuen Testamentes, zur Unsterblichkeit der Seele gründlicher als bisher
untersucht werden musste. Da dies nur auf der Basis der Geschichte dieses
Problems geschehen kann, hat das genannte Dogma viele, bis dahin nur in geringem
Masse in den Blick getretenen theologiegeschichtlichen Probleme aufgeworfen.
Weiterhin liegt in diesem Felde die Frage nach dem Verhältnis des Leibes zur
Geistseele. Das Dogma hat also über seinen eigenen unmittelbaren Sinn hinaus
viele Fragen aktualisiert und zwar nicht bloss Randprobleme, sondern Kernfragen
der Theologie und des Kerygmas. Letztlich ist es das Zentralkerygma, nämlich
das christologische, welches durch das Dogma in ein neues Licht gezogen
wurde. Es erhebt sich nämlich angesichts des Eingangs Marias in die
Herrlichkeit die Frage, in welchem Verhältnis der auferweckte Christus zu den
an ihn Glaubenden steht, was wir damit sagen wollen, dass er das Ende und die
Vollendung der Gesamtgeschichte durch seine eigene Auferweckung schon vorweg
genommen hat.