6. Kapitel

Wort der Preisung und

der Proklamation

 

Was die Wortstufe der Rühmung und der Preisung betrifft, so sind wir gewohnt zu sagen, daß wir in unserem Reden und Tun Gott die Ehre geben müssen. Wir dürfen jedoch aus der Ehrung Gottes die Ehre seines Bildes in der Schöpfung, des Menschen, nicht ausschließen. Ehrfurcht und Anerkennung sind die Luft, deren jeder Mensch für sein Leben bedarf. Dies läßt sich leicht verstehen, wenn wir bedenken, daß jeder Mensch infolge seiner Kreatürlichkeit und noch mehr infolge seiner Sündhaftigkeit sich stets als gefährdetes und versagendes Wesen erfährt und daher in der Unsicherheit des Geistes und Herzens lebt. Er

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sehnt sich, bewußt oder unbewußt, nach der Bestätigung der Gemeinschaft, selbst wenn er in Selbstsucht das ihm begegnende andere Ich und die Gemeinschaft ablehnt.

Die Wortstufe der Proklamation richtet eine Botschaft an den Menschen aus, eine Heilsbotschaft, sei es im irdisch-politischen, sei es im eschatologisch-religiösen Bereich. Die Wortstufe des Ausrufes, in welchem der Mensch seine Freude und sein Leid, sein Entzücken und seine Verzweiflung in die Welt hinausruft, scheint der gemeinschaftsstiftenden Funktion des Wortes ferne zu stehen. In Wahrheit fehlt jedoch auch ihm der Gemeinschaftsbezug nicht völlig. Eine volle Einsamkeit gibt es in der Geschichte nicht. Die radikale Einsamkeit ist vielmehr ein Charakteristikum der Verdammnis in der Hölle. Auch der intellektuell nicht mehr verständliche Aufschrei eines gequälten oder eines jubelnden Herzens ist ein Schrei in die Gemeinde der Brüder und Schwestern hinein. Er ist ein Zeugnis der überwogenden Fülle und Kraft des menschlichen Erlebnisses, welches nicht mehr in Worte eingeholt oder eingefangen werden kann.

 

 

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